Brücke des Glaubens

Im bulgarischen Kathedraltempel in Berlin strömt die Gnade Gottes

Freitag, 27 Februar 2026, 10:25

Kathedraltempel „Hl. Zar Boris der Täufer“ in Berlin

Kathedraltempel „Hl. Zar Boris der Täufer“ in Berlin

FOTO BTA

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Vor fast 40 Jahren waren die Bulgarischen Orthodoxen Kirchengemeinden (BOKG) in West- und Mitteleuropa lediglich in einigen wenigen Städten organisiert. Nach dem Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union und mit dem Anwachsen der bulgarischen Diaspora begannen sich auch die kirchlichen Gemeinschaften zu vervielfachen. 

Die Gründung einer neuen bulgarischen Kirchengemeinde in einer Stadt im Ausland ist jedoch ein langwieriger Prozess: Es dauert Jahre, bis sich eine feste Gemeinde bildet, die über einen eigenen Kirchenraum mit regelmäßigen Gottesdiensten und einen dort tätigen Priester verfügt. 

„Im Ausland – in Deutschland oder in jedem anderen Land – gibt es bereits gegründete Kirchengemeinden, die den Wunsch nach geistlicher Betreuung haben. Deshalb übernehmen wir die Verantwortung zu reisen, um diese bestehenden Gemeinschaften und ihre Gläubigen seelsorgerisch zu betreuen“, berichtet Erzpriester Zolo Kriwatschkow über die missionarische Tätigkeit der bulgarischen Geistlichen im Ausland. 

Vater Zolo Kriwatschkow mit Bulgaren der orthodoxen Gemeinde in Zagreb, Kroatien

FOTO Bulgarische Orthodoxe Kirchengemeinde - Berlin

Am Anfang stehen meist nur einige wenige Landsleute, die sich zu Gottesdiensten versammeln. Mit der Zeit wächst der Wunsch nach regelmäßigen Gottesdiensten am Wohnort, nach einem eigenen Gotteshaus und einem eigenen Priester. Schritt für Schritt entstehen so – durch Spenden sowie mit Unterstützung von Emigrantenorganisationen und der Bulgarischen Orthodoxen Kirche – eigenständige Kirchen. 

Eine von ihnen ist der Kathedraltempel „Heiliger Zar Boris der Täufer“, der sich zu einem geistlichen Zuhause für die orthodoxen Bulgaren in Berlin und der Region entwickelt hat. 

FOTO Bulgarische Orthodoxe Kirchengemeinde - Berlin

Zunächst fanden die Gottesdienste in bulgarischer Sprache in der deutschen Hauptstadt im Saal der bulgarischen Botschaft statt, heute versammeln sich die Gläubigen jeden Sonntag und an den großen kirchlichen Feiertagen in ihrem geistlichen Heim. 

Der erste Priester, der im Jahr 1994 für die West- und Mitteleuropäische Diözese geweiht wurde und heute einer der drei Geistlichen am Kathedraltempel „Heiliger Zar Boris der Täufer“ ist, heißt Ljubomir Leontinow. 

Vater Ljubomir Leontinow

FOTO Bulgarische Orthodoxe Kirchengemeinde - Berlin

„Anfang der 1990er-Jahre, als der Umbau und die Renovierung des Gotteshauses begannen, gab es in Berlin eine sehr starke bulgarische Studentengemeinschaft“, erinnert sich der Priester. Jungen Männer und Frauen kamen voller Enthusiasmus, halfen bei der Räumung der Kirche und bei allen Renovierungsarbeiten. Fern von Eltern, Verwandten und Freunden, in einem fremden Land, sahen sie in den Priestern ihre nächsten Bezugspersonen, ja geradezu ihre Väter. Später tauften die bulgarischen Geistlichen auch ihre ausländischen Partner und ihre Kinder. 

Vater Ljubomir Leontinov (Mitte) während des Gottesdienstes

FOTO Darina Grigorowa

„Diese Menschen sind eine Zeit lang hier, sie entwickeln sich weiter. Wenn die Verbindung zu ihnen bestehen bleibt – und das ist der Fall –, dann sind wir reich“, sagt Vater Leontinow. „Wir haben unsere Hände jedem entgegengestreckt. Jeder kann zu uns kommen, gemeinsam mit uns beten, füreinander beten und Teil unserer Gemeinschaft werden.“ Er ergänzt, dass es in der bulgarischen Gemeinde der deutschen Hauptstadt auch heute nicht nur Bulgaren gibt, sondern ebenso Polen, Deutsche, Russen, Ukrainer, Rumänen und andere. 

FOTO Bulgarische Orthodoxe Kirchengemeinde - Berlin

„Unsere Gemeinde in Berlin versammelt diese Menschen – manchmal sehr viele, sodass die Kirche aus allen Nähten platzt. Manchmal sind es weniger, weil unser Arbeitsalltag in der Bundesrepublik derzeit sehr anspruchsvoll ist“, ergänzt Christo Berow, einer der langjährigsten und engagiertesten Gemeindemitglieder sowie Kirchenvorsteher der Bulgarischen Orthodoxen Kirchengemeinde in Berlin. „Wir versuchen, den Menschen die Hand zu reichen, sie zu beruhigen, ihnen Hoffnung zu geben und vor allem Christus, unserem Erlöser, zu folgen, der uns zur Rettung der Seele führt.“ 

Christo Berow betont mit Zufriedenheit die gute und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Kirchengemeinde und den Vertretungen des bulgarischen Staates in der deutschen Hauptstadt. Mit Dankbarkeit spricht er über die Unterstützung durch den bulgarischen Botschafter in Berlin, Grigor Poroschanow, sowie durch den Leiter des Bulgarischen Kulturinstituts, Borislaw Petranow. Sie nehmen an der Heiligen Liturgie im Tempel teil, organisieren Ikonenausstellungen und zahlreiche weitere Veranstaltungen, die den bulgarischen Geist nähren und unseren Landsleuten Anlass geben, stolz darauf zu sein, Bulgaren zu sein. Die Orthodoxe Kirche ist es, die unter ihren Kuppeln die verstreuten Kinder Bulgariens sammelt und ihre Identität bewahrt. 

Nach Interviews von Alexandra Karamichalewa, speziell für den Podcast „Brücke des Glaubens“ des Radio Bulgarien. 

Zusammengestellt von: Dessislawa Semkowska

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov