Batak ist das Symbol einer mit Blut und Knochen geschriebenen Geschichte

Dienstag, 3 März 2026, 16:25

Batak ist das Symbol einer mit Blut und Knochen geschriebenen Geschichte

FOTO BTA

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Batak ist ein Name, den jeder Bulgare mit Ehrfurcht und Schmerz ausspricht. Das Schicksal der kleinen Stadt in den Rhodopen ist von einem der blutigsten Ereignisse der nationalen Erinnerung geprägt – dem Massaker von Batak. Es gibt keinen Bulgaren, der beim Besuch von Batak nicht tief bewegt wäre und nicht die Schwere der Geschichte spürt, die in jedem Stück Erde eingeschrieben ist. 

In den ersten Tagen nach dem Ausbruch des Aprilaufstands im Frühjahr 1876 verteidigte sich die Stadt erfolgreich. Doch am 30. April entsandte die osmanische Obrigkeit Baschi-Bosuk-Trupps unter der Führung von Achmed Aga Barutanlija, um die aufständische Bevölkerung zu bestrafen. Am 1. Mai 1876 wurde Batak belagert, und die Massenmorde begannen. Ein Teil der Bevölkerung suchte Zuflucht in der Kirche – vergeblich. 

Theodora Pejtschinowa

FOTO BNR Plowdiw

Die Direktorin des Historischen Museums der Stadt, Theodora Pejtschinowa, berichtet. 

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„Die Kirche "Sweta Nedelja" wurde zum letzten Zufluchtsort der Schutzlosesten, die hofften, dass die Baschi-Bosuk-Horde von Achmed Barutanlia es nicht wagen würde, einen christlichen Tempel zu betreten, und sie am Leben lassen würde. Drei Tage lang blieben sie dort eingeschlossen – ohne Nahrung, ohne Wasser. Die Kinder weinten ununterbrochen. Als das Wasser ausging, gruben die Mütter in der Hoffnung auf Wasser einen Brunnen. Doch der Frühling war trocken, Wasser fanden sie nicht. Dann begannen sie, ihren Kindern das Öl aus den Öllämpchen zu geben. Als auch dieses aufgebraucht war und draußen unaufhörlich geschossen wurde, befeuchteten sie die Lippen der Kinder mit dem Blut der Sterbenden um sie herum“, erzählt Pejtschinowa sichtlich bewegt.

Nahezu 2.000 Menschen fanden in der Kirche den Tod. Heute sind diese Märtyrer des Glaubens und der Freiheit von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche heiliggesprochen und nehmen einen Ehrenplatz unter den Heiligen der Orthodoxie ein. 

FOTO BGNES

„In der Kirche selbst kann man noch heute die Einschusslöcher in den Wänden und den von den Müttern mit bloßen Händen gegrabenen Brunnen sehen. Man sieht Schädel und Knochen, die in der Beinhauskapelle ausgestellt sind“, sagte Theodora Pejtschinowa. „Unsere Geschichte ist mit Blut und Knochen geschrieben, und wir haben kein Recht, sie zu verändern. Wir müssen sie bewahren und an unsere Kinder weitergeben, damit die Erinnerung bleibt und sich das, was sich in Batak während des Aprilaufstands ereignet hat, niemals wiederholt. 

Die Erinnerung an diese dunklen Seiten der bulgarischen Geschichte wird nicht nur in der Kirche „Sweta Nedelja“, sondern auch im Historischen Museum von Batak sowie auf der Allee der Wiedergeburt bewahrt, die den Helden und Opfern gewidmet ist. Dort erinnern Gedenktafeln und Monumente an das grausame Schicksal der Opfer und verewigen ihren Opfermut. 

Allee der Wiedergeburt

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Batak beklagt die meisten Opfer im Aprilaufstand von 1876. Von einer Bevölkerung von 6.000 bis 7.000 Menschen kamen fast 5.000 ums Leben – Frauen, Kinder, Alte, Säuglinge. Im Museum von Batak ist eine Wand mit den Namen eines Teils der getöteten Einwohner zu sehen. Wer genau hinschaut, liest dort die Namen von Babys, kleinen Kindern und hundertjährigen Greisen. Und doch sind an dieser Wand nur etwa ein Drittel aller Opfer von Batak genannt“, erläuterte Pejtschinowa. 

FOTO MUSEUMBATAK.COM

Die Ereignisse von Batak fanden dank des amerikanischen Journalisten Januarius MacGahan, des britischen Diplomaten Eugene Schuyler sowie durch Schriftsteller und Persönlichkeiten wie Victor Hugo weltweite Beachtung. 

Zeitungen in London und Paris berichteten ausführlich über das Massaker von Batak, und der bekannte britische Politiker William Gladstone verurteilte die osmanischen Behörden scharf und rief zu einer unverzüglichen internationalen Reaktion auf. 

William Gladstone

FOTO theguardian.com

Batak ist eine Stadt mit einer großen, schweren Geschichte, sie ist ein Symbol für die Kraft des bulgarischen Geistes im Namen einer großen Sache ist – der Freiheit. Batak ist ein Symbol des Bulgarentums, ein heiliger Ort für jeden Bulgaren“, sagte Theodora Pejtschinowa abschließend. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov