Autor
Zwetana Tontschewa
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Freitag 6 März 2026 20:00
Freitag, 6 März 2026, 20:00
Georgi Genkow (1929 – 2010)
FOTO ubc-bg.com
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Der Komponist Georgi Genkow (geboren am 3. März 1929) zählt zu den prägendsten und bedeutendsten Künstlern des bulgarischen Kinos und Theaters in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er schuf großartige Lieder, komponierte Musik für Hunderte von Inszenierungen und Filmen und wurde bei renommierten Festivals vielfach ausgezeichnet. Seine große schöpferische Leidenschaft galt dem Kino. Vor rund zwei Jahrzehnten sagte er in einem Interview für die Zeitung „Kultura“: „Wenn ein Film entsteht, wird das Team zu einer Art Familie. Der Prozess selbst hält alle Beteiligten in einem Zustand kreativer Erregung. Das geschieht in keiner anderen Kunstform.“
Genkow komponierte die Musik zu 52 Spielfilmen, 120 Animationsfilmen, 26 Kurzfilmen und 18 Fernsehspielen.
Aufnahme aus dem Film „Weiße Magie“ des Regisseurs Iwan Andonow
FOTO BNT
„In allem, was er geschrieben hat, erkennt man stets seinen Stil – trotz der stilistischen Vielfalt der Dramaturgie, für die er komponierte“, sagte seine Ehefrau, die Regisseurin Bistra Atanassowa. Sein unverwechselbarer Ton zeige sich „in seinem feinen Humor, der subtilen Ironie und der zarten, delikaten Poesie“. Diese Musik sei eine Botschaft an die Sinne des empfindsamen Menschen, so Prof. Atanassowa.
Zartheit, Sensibilität und Feinfühligkeit prägten auch den Menschen Georgi Genkow selbst. Mit seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit sagte er: „Meine nicht allzu große Musikalität habe ich von meiner Mutter geerbt… Sie verbrachte ihre gesamte Kindheit in Wien, wo sie Klavier studierte… Später absolvierte sie das Konservatorium in Prag. Dann heiratete sie, bekam drei Kinder, und ihr weiteres Leben war von der Traurigkeit geprägt, nur noch Hausfrau zu sein. Auch das habe ich von ihr geerbt – meine Kindheit war von einem Gefühl der Melancholie erfüllt…“
Die Schriftstellerin Rada Moskowa, eine enge Freundin, erinnerte sich: „Er lebte in Losenez in einem alten Haus, das zur Hälfte von einem gewaltigen Flügel ausgefüllt war, in schnurrender Gesellschaft mehrerer Katzen, die würdevoll auf Sesseln mit zerkratzter Seidentapete thronten. Sie waren ein Erbe seiner Mutter… Von ihr hatte er den blauen Blick und die verborgene Melancholie seiner Melodien. Helle Nostalgie und blauäugige Freundlichkeit entdeckte ich in ihnen – eine Erinnerung an jene Lebensphase, unaufdringlich, aber stets erkennbar!“
Lada Bojadschiewa (1927 – 1988)
FOTO jeni-bg-kino.com
Blaue Weite und leise Melancholie klingen auch in dem heutigen Meisterwerk der bulgarischen Musikkultur an – „Der Stern des Seemanns“ von Georgi Genkow nach Versen des bedeutenden bulgarischen Dichters, Dramatikers und Übersetzers Iwan Teofilow, ebenfalls ein enger Freund des Komponisten. Das Lied ist Teil des Soundtracks des Films „Visum für den Ozean“ aus dem Jahr 1975, realisiert von Lada Bojadschiewa (1927–1988), der ersten Regisseurin im bulgarischen Dokumentarfilm.
1972 und 1974 inszenierte sie eigenständig zwei Spielfilme – „Der Wind der Reisen“ und „Visum für den Ozean“. Letzterer ist ein romantisches Drama über das Schicksal zweier Menschen – eines langjährigen Seemanns und seiner Frau, die an der Küste von Lagos (Nigeria) auf ihn wartet.
Aufnahme aus dem Film „Visum für den Ozean“
FOTO bnf.bg
Die selbstbewusste und ambitionierte Ehefrau will nicht länger in ständiger Erwartung leben. Ihre Begegnung offenbart die über Jahre angestauten Missverständnisse und Widersprüche. Doch beide bleiben sich treu: er seiner Bindung an den Beruf zur See, sie ihrem Streben nach einem Glück ohne Kompromisse. Eine Liebe geht zu Ende. Die Seeleute brechen erneut auf. Und es erklingt ein Lied über die Liebe, die im Ozean wie ein unermüdlicher Leitstern leuchtet.
Interpret ist der unvergessene Assen Kissimow, dessen natürliche Intonation und berührendes Timbre die schlichte Miniatur zu einem Meisterwerk schauspielerischer Interpretation machen. Das Lied vom Stern des Seemanns existiert auch in einer Orchesterfassung, doch besonders eindringlich wirkt es in der reduzierten Begleitung durch die Gitarre von Boschan Hadschiew.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov