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Legende erzählt Geschichte einer mittelalterlichen Bulgarin und der Zauberlampe

Samstag, 7 März 2026, 17:48

Legende erzählt Geschichte einer mittelalterlichen Bulgarin und der Zauberlampe

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Die Legende von der Bulgarin Ladika und dem Ritter Milochnew erschien erstmals in Böhmen unter dem Titel „Die Zauberlampe“ in einem Kalender von 1838. Ihr erster Herausgeber war skeptisch und glaubte nicht an die Echtheit der Überlieferung aus dem 13. Jahrhundert. Noch heute gehen viele Historiker davon aus, dass die Erzählung lokale Aberglauben mit allem mischt, was im 19. Jahrhundert in Böhmen über die bulgarische Geschichte bekannt war. 1987 wurde die Legende in Prag erneut veröffentlicht, in einem Jubiläumsausgabe von Slawisten Prof. Dr. Zdenek Urban, der seine gesamte wissenschaftliche Arbeit der Erforschung der tschechisch-bulgarischen Beziehungen widmete. 

Prof. Dr. Zdenek Urban

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Auf Bulgarisch erschien die Legende erstmals 1993 in der Zeitschrift „Epochi“ unter dem Titel „Eine romantische Liebesgeschichte aus dem bulgarischen Mittelalter“, herausgegeben von Prof. Jordan Andreew. 

Die Erzählung schildert, wie nach der Rückkehr des letzten Fünften Kreuzzugs ein Ritter aus den Truppen des ungarischen Königs Andreas II. bei einer bulgarischen Adelsfamilie zu Gast ist. Beim Jagen wird er schwer verletzt und von der Tochter des Hauses, Bogoris, geheilt. Die Bulgarin heißt Ladika. Der Name ist nicht zufällig gewählt: „Lada“ und „Ladika“ bedeuten „gut“ oder „gütig“ und stehen in der Bedeutung nahe zur biblischen ersten Frau Eva. 

Über mittelalterliche bulgarische Frauen ist nur sehr wenig bekannt, und die Berichte beziehen sich meist auf Frauen aus der Aristokratie.

FOTO Iwo Iwanow

Der Legende zufolge verliebt sich die Bulgarin in den verwundeten Ritter. Als sie erfährt, dass sie nach der Liebesnacht ein Kind erwartet, flieht der Gast. Unter dem Vorwand, die bulgarischen heidnischen Sitten fürchtend, kehrt Milochnew nach Böhmen zurück und heiratet die Tochter eines dortigen Aristokraten.  

Der tschechische Ritter sah auf Ladikas Zauberlampe Männer, die ein magisches Horo tanzten. Dies ist die älteste erhaltene Darstellung eines Reigens in Bulgarien aus dem 14. Jahrhundert in der Chreljowa-Turm des Rila-Klosters.

FOTO Iwo Iwanow

Im Geiste der mittelalterlichen Ritterromane wird er jedoch für sein Verrat von einer Zauberlampe bestraft. Das mystische Licht verfolgt den Ritter auf wundersame Weise und rächt die zerstörte Ehre und das Leben von Ladika. Nach der Flucht des untreuen Liebhabers wird die Bulgarin von ihrer Familie getötet, da es als Schande gilt, ein Kind unehelich zu bekommen. 

In der traditionellen mittelalterlichen Gesellschaft war Lada die Schutzpatronin der Familie. Die Rolle der Frau bestand überwiegend darin, Ehefrau und Mutter zu sein, und jede Abweichung von den Normen wurde bestraft.

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Die Geschichte spiegelt die mittelalterliche Sicht auf die Rolle der Frau in der Familie bei Tschechen und Bulgaren wider. Lada ist vor allem Beschützerin der Familie. In der traditionellen Gesellschaft liegen Macht, Entscheidungsrecht und Gewalt in den Händen der Männer, die Schwert und Speer führen. Der Frau, als körperlich schwächerer Partei, ist es teilweise erlaubt, List oder sogar Magie einzusetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Jede Abweichung von diesen Normen gilt als schockierend für die Gemeinschaft und wird bestraft. Bekannt ist eine gewisse Toleranz für Frauen – Mütter, Ehefrauen und Töchter aus adligen Familien – doch selbst dort sind die moralischen Gesetze unerschütterlich. Ein solches Gesetz ist auch die Vergeltung für unrechtmäßig verursachten Tod, insbesondere, wenn es doppelt trifft – Mutter und Kind. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov