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Donnerstag 12 März 2026 15:03
Donnerstag, 12 März 2026, 15:03
Vater Nikolaj Nikolow
FOTO Alexandra Karamichalewa
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Eine der charakteristischen Besonderheiten der Mission bulgarischer Priester im Ausland besteht darin, dass sie neben ihrem Dienst in der eigenen Gemeinde manchmal auch die seelsorgerische Betreuung anderer bulgarisch-orthodoxer Kirchengemeinden oder Missionen übernehmen müssen. Häufig handelt es sich dabei um Gemeinschaften, die sich nicht nur in anderen Städten, sondern auch in anderen Ländern befinden. Diese Priester legen Hunderte von Kilometern zurück, um regelmäßige Gottesdienste in bulgarischer Sprache zu ermöglichen und unseren Landsleuten im Ausland geistlichen Beistand zu leisten.
So sieht auch der Alltag von Vater Nikolaj Nikolow aus. Er lebt mit seiner Familie in Deutschland, ist Priester für Köln, Brühl und die umliegenden Orte, fährt jedoch seit einem Jahr jede Woche nach Den Haag in den Niederlanden. Mehr als 350 Kilometer legt er zurück, hält den Gottesdienst, nimmt Beichten ab, spricht mit seinen Gemeindemitgliedern – und macht sich anschließend wieder auf den Weg zurück nach Deutschland.
FOTO Alexandra Karamichalewa
Die Gemeinde in Den Haag wurde im Jahr 2000 von Vater Rumen Kalajdschiew aus Dobrinischte gegründet. 2009 wurde dort Vater Joan Manew eingesetzt, der 15 Jahre lang in Den Haag diente, bis zu seinem Tod im Jahr 2024. Nach seinem Ableben blieb die bulgarische Gemeinschaft in den Niederlanden ohne Priester. Der Diözesanbischof, Metropolit Antonij von West- und Mitteleuropa, übertrug daraufhin Vater Nikolaj Nikolow die seelsorgerische Betreuung unserer Landsleute dort. Gleichzeitig setzt er seinen Dienst in Deutschland fort.
„Ich habe die Gemeinde erst vor etwa einem Jahr übernommen“, erzählte Vater Nikolaj im Podcast „Brücke des Glaubens“ von Radio Bulgarien. „Der frühere Priester ist gestorben – Gott möge seiner Seele gnädig sein. Ich bin sozusagen der Nächste – etwa 350 Kilometer entfernt –, deshalb komme ich drei Mal im Monat hierher. Manchmal komme ich am Samstag, manchmal am Sonntag, damit wir den Bedürfnissen der orthodoxen Christen in den Niederlanden gerecht werden können“, erklärte Vater Nikolaj.
Über die Herausforderungen unserer Zeit sowie über die Rolle von Kirche und Glauben im Leben der Menschen sagte Vater Nikolaj:
FOTO Alexandra Karamichalewa
„Sie sehen selbst, dass es in der Welt ohne Gott sehr schwer ist. Mit all den neuen Erscheinungen – Depressionen, Panikattacken und so weiter – geraten die Menschen in Verwirrung. Und gerade wegen dieser Verwirrung suchen sie Gott. Gott sei Dank!“.
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In der bulgarischen Kirche in Den Haag – ebenso wie in anderen bulgarischen Kirchen in Westeuropa – gehören neben Bulgaren auch Menschen anderer Nationalitäten zu den regelmäßigen Besuchern und Mitgliedern der Gemeinde. Häufig sind es Gläubige aus anderen orthodoxen Kirchen, aber auch Niederländer aus gemischten Ehen, die sich für die Orthodoxie als Religion und für die bulgarische Gemeinde als ihre Gemeinschaft entschieden haben.
Nach den Worten von Vater Nikolaj zieht sie die Liebe zu Gott an und jene schwer zu erklärende Synergie mit Gott und dem Heiligen Geist, die der Mensch in der orthodoxen Kirche empfindet. „Das ist das Besondere. Das lässt sich nicht erklären.“ Wie andere bulgarische Geistliche im Ausland berücksichtigt auch er die Anwesenheit dieser fremdsprachigen Brüder und Schwestern in Christus und bemüht sich, den Gottesdienst auch für sie verständlich zu gestalten.
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„In Deutschland lesen wir zum Beispiel das Evangelium und die Apostellesung auf Deutsch, und manchmal predige ich auch auf Deutsch, damit möglichst viele Menschen die Botschaft verstehen“, sagte er. Dass auch Menschen anderer Nationalitäten in die bulgarische Kirche kommen, sei zudem damit verbunden, „dass viele Bulgaren oder Bulgarinnen in gemischten Ehen leben und es ihnen – mit Gottes Hilfe – gelingt, auch ihren Partner zur Orthodoxie zu führen. Wenn sie in die Kirche kommen, zieht sie die Wärme an, die sie dort spüren, die Liebe des Heiligen Geistes.“
Er erinnert daran, dass mit Gottes Hilfe alles möglich ist, und wünscht: „Möge Gottes Liebe immer mehr Menschen erreichen. Möge der Tempel sich füllen, möge es jedes Mal eng und zugleich herzlich darin sein. Für einen Priester ist es die größte Freude, wenn die Kirche voll ist, wenn die Menschen beichten und die Kommunion empfangen.“
Es freut ihn besonders, dass auch viele Kinder in die Kirche kommen. Als geistlicher Hirte und Vater von vier Kindern sagte er:
FOTO Alexandra Karamichalewa
„Wir sind diejenigen, die den Kindern zeigen müssen, welchen Weg sie einschlagen sollen. Als Eltern und vernünftige Menschen sagen wir ihnen oft, was schädlich ist und was nicht, dass sie mehr Obst und Gemüse essen sollen und weniger Süßes. Wir achten auf ihr Wohl – aber wir sprechen nicht über das ewige Leben. Das ist ein großer Fehler: dass wir sie nicht in die Kirche führen, ihnen nicht von Christus erzählen, ihnen keine Ikonen zeigen und nicht aus den Lebensgeschichten der Heiligen vorlesen. Wenn Kinder schon früh damit vertraut werden, werden sie kaum vom richtigen Weg abkommen.“
FOTO Alexandra Karamichalewa
Mit diesen Worten schloss Vater Nikolaj Nikolow unser Gespräch:
„Christus ist derselbe gestern, heute und morgen. Christus verändert sich nicht. Wir sind es, die sich verändern – unsere Gewohnheiten und unsere Vorstellungen davon, wer wir sind und was wir erreichen wollen.“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov