Das vollständige Interview mit Robert Idi finden Sie als Audiodatei auf unserer Webseite auf Englisch.
Autor
Joan Kolew
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Sonntag 15 März 2026 10:35
Sonntag, 15 März 2026, 10:35
FOTO Facebook / DrRobert Eadie
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Im Dezember 2025 beschloss der Ministerrat, den britisch-irischen Staatsbürger mit bulgarischem Personalausweis Robert Eadie zum Honorarkonsul Bulgariens im Vereinigten Königreich und in Nordirland zu ernennen. Sein Sitz ist Belfast, und sein Konsularbezirk umfasst das Gebiet von Nordirland.
Eadie ist Ingenieur und Dozent für Bauingenieurwesen an der Ulster University. Vor dem Brexit war er auch Gastdozent an mehreren bulgarischen Hochschulen, darunter an der Technischen Universität, der Neuen Bulgarischen Universität sowie an der Hochschule für Bauwesen „Ljuben Karawelow“ in Sofia. Eine von ihm gestiftete Stipendie für Schüler der bulgarischen Schule „Iwan Wasow“ in der nordirischen Stadt Armagh, eine Spende eines Lehrreaktors für die Technische Universität in Sofia sowie sein selbstloses Engagement für die Probleme der Bulgaren in Nordirland haben ihm sowohl in seiner Heimat als auch in Bulgarien große Anerkennung eingebracht.
Wie ihn das Schicksal mit Bulgarien zusammenführte und was dieses Amt für ihn bedeutet – für das er keine zusätzliche finanzielle Vergütung erhält –, erzählte Herr Eadie im Interview mit Radio Bulgarien:
Die Rila-Seen
FOTO rilanationalpark.bg
„Im Jahr 2002 begegnete ich zum ersten Mal einer Bulgarin. Ihr Name war Zwetanka Lilowa. Bis dahin entschieden sich nur sehr wenige Bulgaren, in Nordirland zu leben, doch damals kam eine ganze Gruppe von medizinischen Fachkräften, und die britische Regierung ermutigte sie, zu bleiben. Zwetanka, die Sophie genannt wurde, gehörte zu ihnen, und ich traf sie am zweiten Tag nach ihrer Ankunft. Leider ist sie 2013 gestorben, aber zuvor zeigte sie mir viele der Schönheiten Bulgariens – das Rila-Gebirge, die Rila-Seen, Weliko Tarnowo, Sosopol und andere Orte an der Schwarzmeerküste“, erinnerte sich unser Gesprächspartner.
„Als sie starb, wurde mir bewusst, wie schwierig vieles für Bulgaren im Vereinigten Königreich und in Nordirland ist. Sie verstarb zu einer Zeit, als es keinen Honorarkonsul gab, und ich konnte ihre sterblichen Überreste nicht überführen, ohne dass dies von einer Botschaft bestätigt wurde. Das bedeutete, dass ich ganz Schottland durchqueren und anschließend mit dem Bus zur bulgarischen Botschaft in London fahren musste. Dort wurde ich zwar sehr freundlich empfangen, doch der Weg dorthin war alles andere als einfach.“
In den folgenden Jahren bemühte sich Herr Eadie gemeinsam mit Dejan Stantschew, dem damaligen Vorsitzenden der Bulgarischen Vereinigung in Nordirland, um eine neue Ernennung für das Amt des Honorarkonsuls.
FOTO bluegreenatlas.com
Der Honorarkonsul verfügt über keine exakten Daten über die Zahl der Bulgaren, die heute in Nordirland leben. Die vorhandenen Angaben betreffen jene, die nach dem Brexit einen Settled Status erhalten haben – etwa 19.500 Personen. Darin sind Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft jedoch nicht enthalten, zu denen viele der 2002 Eingewanderten zählen. Deshalb geht Eadie davon aus, dass sich in Nordirland rund 20.000 Bulgaren niedergelassen haben.
Er ist sich auch der großen Herausforderung bewusst, die die vorzeitigen Parlamentswahlen in Bulgarien am 19. April für sie darstellen werden. Grund ist der Beschluss der Volksversammlung, die Zahl der Wahllokale außerhalb diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Ländern außerhalb der EU auf 20 zu begrenzen.
In Rot: die Wahllokale in Nordirland
FOTO bulgarianhonoraryconsulbelfast.org
„In Nordirland haben wir vier Wahllokale – in Belfast, Armagh, Downpatrick und Enniskillen. Etwa 1.000 Menschen geben dort ihre Stimme ab, aber ich nehme an, dass diesmal wegen der Begrenzung noch mehr Wähler kommen werden. Ich habe die bulgarische Botschaft in London gebeten, das Konsulat in Belfast als Wahllokal zu nutzen, damit es nicht zu den 20 gezählt wird und wir das Wahllokal in Armagh behalten können. Für die Bulgaren in Enniskillen, das nur 12 Meilen (19 km) von der Grenze zur Republik Irland entfernt liegt, habe ich vorgeschlagen, mit unserer Botschaft in Dublin zu sprechen, damit sie in Wahllokalen an der Grenze abstimmen können – Irland ist EU-Mitglied und dort gibt es keine Begrenzung der Wahllokale“, sagte er.
Wahllokal in Belfast
FOTO Facebook /Bulgarians in Northern Ireland
Herr Eadie betonte, dass die Grenze zwischen Irland und Nordirland ohne Warteschlangen überquert werden kann. Das Reisen sei dank einer besonderen Vereinbarung nach dem Brexit unkompliziert, die aus politischen Gründen eine offene Grenze garantiert.
Derzeit wird außerdem eine spezielle Internetseite vorbereitet, auf der die bulgarische Botschaft in London, das Konsulat in Edinburgh und bulgarische Organisationen in Nordirland alle wichtigen Informationen an einem Ort veröffentlichen können.
Wahlen kommen und gehen, doch die Bulgaren in Nordirland bauen weiterhin ihr Leben dort auf – und der Konsul sorgt dafür, dass sie würdig vertreten sind. Eine der Initiativen, an denen Robert Eadie derzeit arbeitet, betrifft das Gedenken an die Passagiere, die 1912 beim Untergang der „Titanic“ ums Leben kamen, darunter auch Bulgaren:
„Titanic“ in Belfast, 17. Februar 1912
FOTO titanicbelfast.com
„Das Schiff wurde in Belfast gebaut, und dort gibt es ein Denkmal für die Opfer, unter denen sich mindestens 38 Bulgaren befinden. Ein Name fehlt jedoch, und ich würde gern ein eigenes Denkmal errichten, das ausschließlich den beim Untergang ums Leben gekommenen Bulgaren gewidmet ist. Deshalb habe ich bereits den Stadtrat von Belfast kontaktiert und gefragt, ob ein solches Denkmal errichtet werden kann.“
FOTO Touristisches Informationszentrum, Stadt Trojan
Eine interessante Tatsache ist, dass es in Bulgarien ebenfalls ein Denkmal für die bei dem berühmten Schiffsunglück ums Leben Gekommenen gibt – im Dorf Gumostnik bei Trojan.
Das vollständige Interview mit Robert Idi finden Sie als Audiodatei auf unserer Webseite auf Englisch.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov