Kultur

Nachricht

Orchester mit Bulgaren aus aller Welt eröffnet Martener Musiktage in Russe

„Der Russe Festivalorchester hat weltweit kein Pendant“, sagte Maria Dukanowa, langjährige Direktorin der Nationalen Kunstschule

Freitag, 13 März 2026, 10:35

Orchester mit Bulgaren aus aller Welt eröffnet Martener Musiktage in Russe

FOTO marchmusicdays.bg

Schriftgröße

Am 13. März beginnt in Russe die 65. Ausgabe des Internationalen Festivals „Martener Musiktage“. Seit Jahrzehnten gehört es zu den renommiertesten Veranstaltungen im Kulturkalender Bulgariens und begeistert Bewohner wie Gäste der schönen Donaustadt, die wegen ihrer zahlreichen Gebäude mit prachtvoller Architektur auch „Klein-Wien“ genannt wird. 

Rumänisches Nationalorchester

FOTO marchmusicdays.bg

Auch in diesem Jahr ist das Programm der Musikfesttage reichhaltig: eine Opernpremiere, sechs Sinfoniekonzerte, eine Reihe kammermusikalischer „Leckerbissen für Musikliebhaber“ sowie fünf Ausstellungen. Das Publikum erwartet mit Spannung die Auftritte führender Solisten und Ensembles aus Bulgarien und dem Ausland, darunter das Rumänische Nationale Orchester und die Sofioter Philharmonie, das Streichquartett „Jerusalem“, das Saxofonquartett „Signum“ sowie das berühmte Vokalensemble VOCES8 Scholars.

Die Eröffnung des Festivals ist dem Festivalorchester anvertraut, das in diesem Jahr 80 Musiker aus 19 Ländern vereint – allesamt Absolventen der Nationalen Kunstschule „Prof. Wesselin Stojanow“ in Russe. 

Maria Dukanowa

FOTO Facebook

Speziell für Radio Bulgarien erzählt Maria Dukanowa – Musikwissenschaftlerin, langjährige Dozentin an der Kunstschule „Prof. Wesselin Stojanow“ und fast drei Jahrzehnte deren Direktorin – die Geschichte dieses außergewöhnlichen Ensembles, dessen eigentlicher Name und Markenzeichen das Russe Festivalorchester ist. 

Gegründet wurde es 2010 mit der Idee, Absolventen verschiedener Jahrgänge der Musikschule aus aller Welt ein einziges Mal zusammenzubringen, um das 50-jährige Bestehen ihrer Schule zu feiern. 

„Die Idee war meine, und die Vorbereitung dauerte mindestens zwei Jahre, weil wir unsere ehemaligen Schüler in allen Teilen der Welt aufspüren mussten. Auf Wunsch der Orchestermitglieder selbst organisierten wir 2015 eine weitere Ausgabe – zum 55-jährigen Jubiläum der Schule“, erzählte Dukanowa.


Seit 2017 tritt das Festivalorchester bei jeder Ausgabe der Martener Musiktage auf. Bei den Konzerten standen bereits zahlreiche namhafte Absolventen der Schule in Russe als Solisten auf der Bühne.

„Wir erstellten einen Katalog aller Absolventen nach Fachrichtungen, fanden sie wieder, suchten ihre E-Mail-Adressen und schrieben ihnen. Fast sofort kamen Zusagen. Unsere ehemaligen Schüler schrieben, das sei eine wunderbare Idee, und sie würden unbedingt kommen, um hier gemeinsam auf einer Bühne zu stehen“, sagte Dukanowa. 

FOTO marchmusicdays.bg

In der ersten Besetzung des Russe Festivalorchesters spielten Absolventen der Musikschule aus ganz Bulgarien sowie aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Irland, den Kanarischen Inseln, Ägypten, Argentinien und den USA. 

Ständiges Mitglied des Orchesters ist Zwetelina Krastewa, Konzertmeisterin des Cairo Symphony Orchestra. Zu jedem Auftritt in Russe reisen auch der Fagottist der Dublin Philharmonic Orchestra Ljubo Minkow und Swetlin Dojtschinow, Solooboist des WDR Sinfonieorchesters Köln, an. Die meisten Teilnehmer kommen aus Deutschland. 

FOTO marchmusicdays.bg

„Es liegt etwas in der Luft von Russe – oder in der Schule –, das ihnen wirklich die ersten Schritte gegeben hat: das Festival, die Schule, die Stadt… Sie haben ihnen nicht nur den Anfang ermöglicht, sondern auch ihre Zukunft, ihre berufliche Verwirklichung“, sagte Dukanowa. 

FOTO marchmusicdays.bg

„Bei zwei Ausgaben hat niemand auch nur die Frage nach einer Gage gestellt – weder die Solisten noch der Maestro. Es gibt eine besondere Emotion. Diese Emotion, die sich deutlich von anderen Orchestern unterscheidet, ist sogar während des Konzerts spürbar – zwischen Bühne und Publikum. Die Atmosphäre im Saal ist einfach anders, wenn dieses Orchester spielt.“

Dieses Orchester habe tatsächlich kein Pendant, betonte sie. 

„Ich glaube nicht, dass das stolz oder selbstgefällig klingt – für Bulgarien ist klar, dass es nichts Vergleichbares gibt, aber auch weltweit kaum. Es gibt zwar Tausende Festivalorchester, doch sie entstehen nur einmalig für eine bestimmte Festivalausgabe. Ein Orchester, das jedes Mal zu 90 Prozent aus Absolventen derselben Schule besteht und bereits seit 16 Jahren existiert – das ist kein Zufall mehr, sondern ein dauerhaftes Projekt. Und das verdanken wir allen Beteiligten, vor allem Maestro Tabakow, der eine außergewöhnliche Atmosphäre der Freundschaft und der hervorragenden Zusammenarbeit geschaffen hat“, sagte Dukanowa abschließend.  

FOTO marchmusicdays.bg

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov