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Pantscho Wladigerow aus der Nähe

Über den großen bulgarischen Komponisten spricht Nadja Sotirowa – Gründerin und langjährige Direktorin des Hauses-Museums „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

Samstag, 14 März 2026, 14:09

Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

FOTO Facebook/vladigerov.org

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Am 13. März 1899 wurde der Komponist Pantscho Wladigerow geboren – eine Persönlichkeit mit unschätzbarem Beitrag zur bulgarischen Kultur. Seine Werke stehen den größten Errungenschaften der internationalen klassischen Musik gleich. Der Jahrestag ist Anlass, an den großen Künstler zu erinnern – gemeinsam mit Nadja Sotirowa, einer renommierten bulgarischen Musikwissenschaftlerin und Kulturpersönlichkeit. Sie gründete und leitete zwei Jahrzehnte lang den Staatlichen Kulturinstitut Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“, das sich im gastfreundlichen Wohnhaus des Komponisten in der Straße „Jakubiza“ im Sofioter Stadtviertel Losenez befindet. 

Nadja Sotirowa

FOTO BTA

Sotirowa zeigt sich dankbar für die außergewöhnliche Möglichkeit, die zweite Ehefrau des Komponisten – Elka Wladigerowa – persönlich gekannt zu haben. Sie schenkte ihren Anteil am Familienhaus mit dem ausdrücklichen Wunsch – und im Einklang mit dem Willen ihres Mannes –, dass es zu einem Museum werden sollte. 

„Der tägliche Umgang mit ihr gab mir die Möglichkeit, ihn wirklich auch als Menschen kennenzulernen – seine Lieblingsbeschäftigungen außerhalb der Arbeit. Dazu gehörten Spaziergänge in der Natur oder die Pflege der Haustiere, obwohl er einen sehr strengen Arbeitsrhythmus hatte. Sie war ein Mensch, der ein warmes Zuhause schaffen konnte – eine hervorragende Gastgeberin und Köchin. Zweifellos hat er das sehr geschätzt. Er wandte sich an sie mit ‚Mutter‘ – eine alte bulgarische Tradition, dass der Ehemann seine Frau so anspricht. Obwohl sie viel jünger war als er, hat er sie als seine Lebensgefährtin sehr geschätzt“, sagte Sotirowa. 

Mit den Haustieren

FOTO Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

Sotirowa zeigt sich dankbar für die außergewöhnliche Möglichkeit, die zweite Ehefrau des Komponisten – Elka Wladigerowa – persönlich gekannt zu haben. Sie schenkte ihren Anteil am Familienhaus mit dem ausdrücklichen Wunsch – und im Einklang mit dem Willen ihres Mannes –, dass es zu einem Museum werden sollte.

„Der tägliche Umgang mit ihr gab mir die Möglichkeit, ihn wirklich auch als Menschen kennenzulernen – seine Lieblingsbeschäftigungen außerhalb der Arbeit. Dazu gehörten Spaziergänge in der Natur oder die Pflege der Haustiere, obwohl er einen sehr strengen Arbeitsrhythmus hatte. Sie war ein Mensch, der ein warmes Zuhause schaffen konnte – eine hervorragende Gastgeberin und Köchin. Zweifellos hat er das sehr geschätzt. Er wandte sich an sie mit ‚Mutter‘ – eine alte bulgarische Tradition, dass der Ehemann seine Frau so anspricht. Obwohl sie viel jünger war als er, hat er sie als seine Lebensgefährtin sehr geschätzt“, sagte Sotirowa.

Foto von Familie Wladigerowi

FOTO Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

Mit großer Begeisterung erzählt Nadja Sotirowa vom Familienleben von Elka und Pantscho Wladigerow. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde ihr Haus zu einem Treffpunkt für viele der bedeutendsten Musiker, die Sofia besuchten. Große Dirigenten, Instrumentalisten und Komponisten waren hier zu Gast – darunter Dmitri Schostakowitsch, Swjatoslaw Richter, Leonid Kogan, David Oistrach, Jewgeni Swetlanow, Dinu Lipatti, Emil Gilels, Emil Tschakarow, Mintscho Mintschew, Rajna Kabaiwanska und Anna Tomowa-Sintowa. 

Bei einer Tasse Tee nach der Unterrichtsstunde mit Milko Kolarov

FOTO Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

Im Gespräch wird auch die Zeit angesprochen, in der der Komponist lebte – die dramatischen Jahre des Holocausts und des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft habe er sich zeitweise bedroht gefühlt, und nach 1944 kam in Bulgarien ein neues politisches Regime an die Macht.

„Zunächst muss man betonen, dass Wladigerow stark von den Ereignissen rund um das Schicksal seines Vaters Haralan Wladigerow geprägt war“, erklärte Sotirowa. Haralan Wladigerow war Jurist, Staatsanwalt und zeitweise Diplomat an der bulgarischen Botschaft in Bukarest. Er engagierte sich auch politisch und war für ein Jahr Abgeordneter in der Volksversammlung. Nach dem Sturz des Regimes von Stefan Stambolow wurde er jedoch von Schumen nach Widin verbannt. Dort soll er misshandelt worden sein. Er erkrankte an einer schnell fortschreitenden Tuberkulose und starb 1908 im Alter von nur 41 Jahren. Seine Kinder waren damals erst neun Jahre alt. 

Foto der Familie Wladigerow. Vorne – die beiden Kinder Ljuben und Pantscho Wladigerow, dazwischen die Gouvernante Löwenberg; dahinter – Dr. Eliza Pasternak und Haralan Wladigerow. 1901

FOTO Staatsarchiv - Schumen

Die Mutter Eliza Pasternak-Wladigerowa blieb allein mit ihren Söhnen zurück und übernahm deren Erziehung und Ausbildung. „Vielleicht erklärt gerade das, warum Wladigerow sein ganzes Leben lang eine große Distanz zur Politik bewahrte“, meinte Sotirowa. 

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der Komponist internationale Anerkennung erlangt. Er wurde zweimal mit dem Mendelssohn-Preis der Universität Berlin ausgezeichnet und war der einzige Vertreter Bulgariens im Ständigen Rat für internationale Zusammenarbeit der Komponisten, dessen Vorsitz zwischen 1936 und 1942 Richard Strauss innehatte. Wladigerow wurde auf bedeutende europäische Bühnen eingeladen – sowohl vor 1944 als auch später, trotz des Eisernen Vorhangs. 

Pantscho und Ljuben Wladigerowi

FOTO Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

„Natürlich gab es Jahre, in denen er möglicherweise unter bestimmten politischen Umständen stand“, sagte Sotirowa. „Doch als er 1946 den Titel ‚Volkskünstler‘ erhielt, bemerkte er scherzhaft: ‚Nun, bisher war ich international – jetzt bin ich auch volksnah geworden.‘“ 

Solche Bemerkungen machte er ohne Angst vor möglichen Konsequenzen. Wladigerow habe genau gewusst, welchen Wert seine Arbeit hatte. Als Komponist war er bereits in ganz Europa hoch geschätzt und hatte daher wohl weniger Grund zur Sorge gegenüber der damaligen politischen Macht. 

Pantscho Wladigerow mit dem Pianisten Iwan Drenikow (links) und dem Geiger Mintscho Mintschev

FOTO Haus-Museum „Pantscho Wladigerow“ in Sofia

Vielmehr sei er oft umworben worden. Viele seiner Kollegen begegneten ihm mit Respekt – vielleicht auch mit einer gewissen Ehrfurcht. „Er war immer sehr zurückhaltend, tief in seine Arbeit versunken“, sagt Sotirowa. „Er strebte nie nach Ämtern oder Positionen. Er war ein Mensch, der sich ganz seiner Kunst und seiner Lehrtätigkeit widmete.“ 

Gerade dadurch habe er eine beeindruckende Komponistenschule geschaffen. Viele seiner Studenten wurden später selbst zu bedeutenden Persönlichkeiten der bulgarischen Musik. Und sie alle seien sich einig gewesen: Schüler von Pantscho Wladigerow zu sein, galt bereits als eine außergewöhnliche Auszeichnung – denn er wählte seine Studenten sehr sorgfältig aus. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov