Autor
Gergana Mantschewa
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Dorf Arbanassi und sein bemerkenswerter Tempel mit dem „Rad des Lebens“
Sonntag 10 Mai 2026 15:55
Sonntag, 10 Mai 2026, 15:55
Das Fresko „Rad des Lebens“ in der Kirche „Christi Geburt“ – Arbanassi
FOTO RHM - Weliko Tarnowo
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Die Kirche „Christi Geburt“ ist eine der schönsten Gotteshäuser im Dorf Arbanassi, das nur 5 km von Weliko Tarnowo entfernt liegt. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Kirchen aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert in Bulgarien. Das Gebäude umfasst vier Räume, in denen mehr als 3.500 Darstellungen von Heiligen und biblischen Szenen bewahrt sind. Auch die Ikonostasen sind gut erhalten – jene im Hauptschiff stammt aus dem 18. Jahrhundert, die im Nebenraum aus dem Jahr 1649 und zählt damit zu den ältesten im Land.
Die Kirche wurde in den 1970er-Jahren restauriert. Damals wurden die Wandmalereien von einer dicken Rußschicht gereinigt, die durch das Anzünden von Kerzen entstanden war, die Außenkonstruktion wurde gesichert und wird heute täglich von Mitarbeitern des Regionalen Historischen Museums in Weliko Tarnowo gepflegt.
Das Gotteshaus wurde in drei Bauphasen errichtet: Der erste Teil stammt aus dem Jahr 1597, der zweite aus 1638, und 1649 wurde die Anlage vollendet. Alle Wände und Gewölbe sind mit Fresken bedeckt. Zu den bemerkenswertesten gehört das sogenannte „Rad des Lebens“, das symbolisch den Weg des Menschen zeigt – von der Geburt über das Streben nach Reichtum und Macht bis hin zum unvermeidlichen Ende. Das Rad wird von Engeln gedreht und erinnert an die Vergänglichkeit des Irdischen. Die Inschrift lautet: „Ich war nicht und ich bin nicht gewesen“.
„Diese Szene wurde erstmals genau in dieser Kirche in Arbanassi dargestellt“, erläuterte der Fremdenführer des Regionalen Historischen Museums Weliko Tarnowo, Petko Petkanski.
Petko Petkanski
FOTO Gergana Mantschewa
„Sie ist für die meisten Besuchergruppen besonders interessant. Jedes Element in der Kirche hat eine große Bedeutung, viele Szenen vermitteln wichtige Lehren für das Leben. Besonders eindrucksvoll ist das ‚Rad des Lebens‘ – ein Symbol für die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins und für das Wesentliche: die Rettung der unsterblichen Seele. Die Darstellung richtet sich vor allem an wohlhabende Menschen und erinnert daran, dass selbst größter Besitz im Leben letztlich zweitrangig ist. Entscheidend bleibt die Rettung der Seele. Wohlhabende Menschen tragen eine größere Verantwortung, da sie mehr Möglichkeiten haben – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Deshalb wurde diese Szene gerade in Arbanassi geschaffen, wo sich damals eine neue Schicht wohlhabender Christen entwickelte“, sagte Petkanski.
In dieser Zeit siedelten sich in Arbanassi Albaner an, nachdem Sultan Bayezid II. einen Feldzug in dieser Region des Balkans geführt hatte. Es handelte sich um orthodoxe Christen, die sich rasch in die lokale Bevölkerung integrierten.
FOTO museumvt.com
„Es gibt Aufzeichnungen über ihre Namen aus dem 17. Jahrhundert, doch heute sind albanische Namen kaum noch zu finden. Das Dorf wurde ‚bulgarisiert‘ und die Bevölkerung ist überwiegend christlich. In der damaligen Osmanischen Reichsordnung wurden die Menschen vor allem nach Religion unterschieden – in Muslime und Christen. Die nationale Zugehörigkeit spielte eine geringere Rolle. Diese Situation führte zu Problemen, da zeitweise die Gefahr bestand, dass das bulgarische Volk verschwindet. Ab dem 18. Jahrhundert erholte sich die Bevölkerung allmählich. Im 19. Jahrhundert begannen viele wohlhabende Familien, Griechisch zu sprechen und sich zu ‚vergriechen‘, wie Paisij Hilendarski schrieb. Doch mit der Bildung einer wohlhabenden Schicht, die im Ausland ausgebildet wurde, kehrte auch die nationale Idee zurück, Bulgarien in seinen kirchlichen Grenzen wiederherzustellen. Deshalb war der Kampf um kirchliche Unabhängigkeit die erste Phase der nationalen Befreiungsbewegung. Die Kirchen in und um Tarnowo hatten dabei große Bedeutung. Es wird angenommen, dass Arbanassi als Bischofssitz fungierte, der nach dem Fall Bulgariens unter osmanische Herrschaft von Tarnowo hierher verlegt wurde“, fügte Petkanski hinzu.
FOTO Gergana Mantschewa
Heute leben in Arbanassi etwas mehr als 300 Einwohner, doch die gepflasterten Straßen sind voller Besucher. Wer diesen Ort besucht, taucht in eine vergangene Epoche ein, die sich in den erhaltenen Häusern mit reicher Innenausstattung sowie in den geistlichen Zentren widerspiegelt – fünf Kirchen und zwei aktive Klöster. Das Dorffest fällt zudem mit einem der bedeutendsten christlichen Sommerfeiertage zusammen – Mariä Himmelfahrt am 15. August.
FOTO arbanassi.org
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov