Pentscho Slawejkow gehört zu den ersten Dichtern des modernen Bulgariens

Er wurde am 27. April vor 160 Jahren in Trjawna geboren

Montag, 27 April 2026, 14:04

Pentscho Slawejkow

Pentscho Slawejkow

FOTO BGNES

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Das Leben eines jeden Menschen ist eine Kette aus heiteren und traurigen Tagen. Eine solche Kette trägt auch der Dichter. Und wenn er ein aufrichtiger Darsteller des Lebens sein will, kann er nicht nur von Sonne und Frühling singen“ … Mit diesen Worten umreißt Pentscho Slawejkow seine Vorstellung von der Mission des Dichters. Im Jahr 2026 jährt sich die Geburt einer der markantesten Figuren der bulgarischen Literatur zum 160. Mal.

Geboren wurde Pentscho Slawejkow am 27. April 1866 in Trjawna als jüngster Sohn des Dichters Petko Ratschow Slawejkow (1827–1895) und Irina Slawejkowa, der Tochter eines wohlhabenden Bürgers aus Trjawna. Seine Familie war kinderreich – mit sieben Kindern; zu seinen Brüdern gehörten die Politiker Iwan und Christo Slawejkow sowie der Publizist Ratscho Slawejkow. Schon in seiner Kindheit wurde Pentscho Slawejkow Zeuge der gesellschaftlichen und politischen Kämpfe, an denen sein Vater teilnahm – sowohl gegen die Fanarioten vor der Befreiung als auch später in den Debatten bei der Ausarbeitung des Grundgesetzes des neu befreiten Bulgarien – der Verfassung von Weliko Tarnowo (1879), wie aus auch dem Archivfonds des Bulgarischen Nationalen Rundfunks hervorgeht.

Das Denkmal von Petko und Pentscho Slawejkow in Sofia

FOTO Marta Ros

Die Schuljahre von Pentscho Slawejkow vergingen in Trjawna und Stara Sagora und waren von Erinnerungen an den Befreiungskampf geprägt. Nach der Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft setzte er seine Ausbildung in Sliwen, Weliko Tarnowo, Sofia und Plowdiw fort. Eine schwere Erfrierung beim Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen Fluss Mariza verursachte bei ihm eine langwierige und qualvolle Erkrankung, die zu einer Nervenlähmung führte und sein ganzes Leben tief und nachhaltig prägte. Der junge Slawejkow musste erneut lernen zu sprechen, zu schreiben und zu gehen. Diese Prüfung schärfte jedoch seine Sensibilität und Beobachtungsgabe und verwandelte das Leiden in eine Art geistigen Lehrer, der ihn erhob und über sich hinauswachsen ließ.

1892 reiste er nach Leipzig, wo er Philosophie studierte und Vorlesungen auch in anderen geisteswissenschaftlichen Disziplinen hörte. Nach seiner Rückkehr nach Bulgarien Anfang 1898 wurde Pentscho Slawejkow zum ordentlichen Mitglied der Bulgarischen Literarischen Gesellschaft (heute Bulgarische Akademie der Wissenschaften – BAN) gewählt. Er arbeitete als Lehrer und stellvertretender Direktor der Nationalbibliothek. Kurzzeitig leitete er von 1908 bis 1909 auch das Nationaltheater, wo zur gleichen Zeit Pejo Jaworow als künstlerischer Sekretär tätig war.

Der Literaturkreis "Misal" – Pentscho Slawejkow, Pejo Jaworow, Petko Todorow und Krastjo Krastew

FOTO nationalgeographic.bg

1909 wurde Pentscho Slawejkow gemeinsam mit Prof. Wassil Slatarski nach Russland entsandt, um die sterblichen Überreste und die gestiftete persönliche Bibliothek von Prof. Marin Drinow zu überführen und an den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Nikolaj Gogol teilzunehmen. Am 20. Juni 1910 hielt er eine mutige Rede gegen die Einberufung des Slawischen Kongresses in Sofia. Der neue Minister für Volksbildung Stefan Bobtschew, Organisator des Slawischen Kongresses, berief ihn zurück und entließ ihn aus dem Direktorenposten der Nationalbibliothek. Slawejkow erhielt das demütigende Angebot, die Stelle eines Kurators des Schulmuseums beim Ministerium für Volksbildung zu übernehmen. Slawejkow war behindert, und sein Arbeitszimmer befand sich im vierten Stock eines Gebäudes ohne Aufzug. Gekränkt lehnte der Dichter diese Stelle ab und verließ Bulgarien, indem er sich freiwillig ins Exil begab.

Pentscho Slawejkow und Mara Beltschewa

FOTO Staatliche Agentur „Archive“

Bis zu seinem Lebensende unterhielt Slawejkow eine herzliche Beziehung zur Dichterin Mara Beltschewa, der Witwe von Christo Beltschew, Finanzminister im Kabinett von Stefan Stambolow. Nach seiner Abreise aus Bulgarien begab sich der Dichter in die Schweiz und ließ sich anschließend in Rom nieder. Die Umstände seiner Abreise aus der Heimat verschlechterten seinen ohnehin schon angeschlagenen Gesundheitszustand erheblich. Am 23. Mai 1912 trafen Mara Beltschewa und Pentscho Slawejkow im kleinen Kurort Brunatе ein, der zwischen dem Lago di Como und der Stadt Como in Italien liegt. Erschöpft von langjähriger intensiver Arbeit, verbittert und von Gedanken über seine ungewisse Zukunft gequält, starb Slawejkow im Exil am 28. Mai 1912 im Hotel „Bella Vista“.

Portrait von Pentscho Slawejkow des Küstlers Nikola Michajlow

FOTO BTA

Im Januar 1912 schlug der schwedische Schriftsteller Alfred Jensen, Mitglied des Instituts für den Nobelpreis, Pentscho Slawejkow für den Nobelpreis für Literatur für sein Poem „Blutiges Lied“ vor, doch aufgrund des Todes des Dichters hat das Nobelkomitee Jensens Vorschlag nicht geprüft.

FOTO BTA

Unbestrittene Meisterwerke Pentscho Slawejkows für die bulgarische Lyrik sind der Gedichtband „Traum vom Glück“ (1906) und das originelle Buch „Auf der Insel der Seligen“ (1910), das in Form einer Anthologie mit Werken von 19 von Slawejkow erfundenen Dichtern geschrieben ist.

Slawejkow ist auch Autor literaturwissenschaftlicher Studien und Essays, der folkloristischen Sammlung „Buch der Lieder“ (1917) und weiterer Werke. Er übersetzte Werke deutscher Dichter (1911 in Buchform veröffentlicht), fertigte eine Übersetzung der Tragödie „Antigone“ von Sophokles (1893) an sowie der philosophischen Dichtung „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche (gemeinsam mit der Dichterin Mara Beltschewa) und des Poems „Der Dämon“ von M. J. Lermontow (zusammen mit Aleko Konstantinow). Die von Slawejkow hinterlassenen Briefe sind Meisterwerke künstlerischer Prosa und wertvolle Zeugnisse der schöpferischen und geistigen Welt sowie der reichen Kultur des Dichters.

Doz. Jordan Eftimow

FOTO BTA

Die Bulgarischen Nachrichtenagentur BTA beginnt in ihren Presseklubs im Land eine Reihe von Gesprächen, die Pentscho Slawejkow und dem bulgarischen Modernismus gewidmet sind. Der Auftakt der literarischen Treffen erfolgt am 27. April. Die erste Veranstaltung der Initiative „Pentscho Slawejkow heute“ findet im Geburtsort des Dichters, Trjawna, im Slawejkow-Haus statt, gab der Generaldirektor der BTA, Kiril Waltschew, bekannt.


Redakteur: Iwo Iwanow

Übersetzung: Rossiza Radulowa