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Iwo Iwanow
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Das Arsenal der Freiheit im Aprilaufstand – Teil 2
„Verkaufe dein Feld, kauf dir ein Gewehr!“ – so lautete der Aufruf der Bulgaren von 1876
Freitag 1 Mai 2026 10:30
Freitag, 1 Mai 2026, 10:30
FOTO Iwo Iwanow
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Drei Monate lang – von Februar bis April 1876 – bereiteten sich die Bulgaren heimlich auf den Aprilaufstand gegen die fünf Jahrhunderte währende osmanische Herrschaft vor und bewaffneten sich. Alte Pistolen sowie Steinschloss- und Perkussionsgewehre wurden gesammelt und repariert. Heimlich wurden Kugeln gegossen und Patronen mit Schießpulver hergestellt. Pulver wurde auch illegal beschafft und gelagert. Historikern zufolge erhoben sich etwa 10.000 Aufständische zu den Waffen. Moderne Gewehre besaßen jedoch nur rund 400 von ihnen.
„Unsere Gewehre waren verschieden, die meisten ‚Lefaucheux-Doppelflinten‘, und meines war ein tscherkessisches Schischane, ein sehr gutes“, erinnerte sich Najden Drinow, Mitglied des Militärrates in Panagjurischte.
Metodi Nawuschtanow, Hauptkurator im Historischen Museum – Panagjurischte
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„Was ist ein Steinschlossmechanismus? Am einfachsten gesagt handelt es sich um eine mechanische Zündvorrichtung, bei der in den Backen des Hahns ein Feuerstein befestigt ist. Vorn befindet sich eine gehärtete Stahlplatte. Nach dem Laden entsteht beim Betätigen des Abzugs ein Funke, der die Pulverladung in der Pfanne entzündet; diese wiederum setzt die Ladung im Lauf in Brand und der Schuss folgt“, erklärte Metodi Nawuschtanow, Kurator im Historischen Museum von Panagjurischte und Vorsitzender des örtlichen Klubs „Tradition“, dessen Stadt eine zentrale Rolle in den Ereignissen des April 1876 spielte.
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In seiner dreibändigen „Geschichte des Aprilaufstands“ schrieb Dimitar Straschimirow, dass von den 600 in Panagjurischte registrierten, waffenfähigen Aufständischen alle mit Perkussionsgewehren ausgerüstet gewesen seien, viele davon mit doppelläufigen Jagdgewehren.
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Die massenhaft verwendeten Vorderlader der bulgarischen Aufständischen waren archaisch. Sie lagen technologisch fast zweieinhalb Jahrhunderte hinter den modernen Hinterladern und Revolvern der osmanischen Armee zurück, die mit fertigen Patronen ausgestattet waren. Die Feuerrate der Vorderlader betrug ein bis drei Schüsse pro Minute, ihre Reichweite bis zu 300 Schritte. Dagegen erreichten Gewehre wie „Martini-Henry“, „Schneider“ und „Remington“ in der osmanischen Armee sechs bis zwölf Schüsse pro Minute bei einer Reichweite von 1.000 bis 1.400 Metern.
Metodi Nawuschtanow zeigt Revolver der Marken „Remington“ und „Colt“
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„Wir haben oft versucht, uns zu erklären, welchen Heroismus und welche Bereitschaft zur Selbstaufopferung unsere Vorfahren besaßen und welchen Mut sie im Herzen tragen mussten, um sich mit solch veralteten Waffen der modernen europäischen und amerikanischen Bewaffnung der osmanischen Armee entgegenzustellen“, berichtete Metodi Nawuschtanow.
Moderne Waffen der osmanischen Armee, schneller und mit größerer Reichweite als die der Aufständischen
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Anfang Mai wurde der Aufstand brutal niedergeschlagen, besonders blutig im Raum Panagjurischte. Dort finden jedes Jahr am 1. Mai nationale Gedenkfeiern statt, die an dieses bedeutendste revolutionäre Ereignis Bulgariens erinnern, das die Frage der Freiheit des bulgarischen Volkes auf die europäische Bühne brachte.
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Gemeinsam mit dem lokalen Klub „Tradition“, dem Kulturhaus und dem Historischen Museum gehören Metodi Nawuschtanow und seine Mitstreiter jedes Jahr zu den Hauptakteuren historischer Nachstellungen, die die Ereignisse des Aprilaufstands lebendig werden lassen. Nawuschtanow betonte, dass diese Tradition bereits 1901 begann.
„Verkaufe dein Feld, kauf dir ein Gewehr!“ – so lautete der Aufruf der Bulgaren von 1876. Die meisten waren wohlhabende und fleißige Menschen. Sie hatten viel zu verlieren, doch ohne Freiheit bedeutete es ihnen nichts. Freiheit ist stets wertvoller als jeder Besitz, und ihre Helden bezahlen sie mit dem höchsten Preis, der auf ihren Fahnen geschrieben steht: „Freiheit oder Tod“.
Die Hauptfahne des Aufstands, geweiht am 22. April 1876 in Panagjurischte
FOTO Historisches Museum – Panagjurischte
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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov