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30. April ist der Internationale Tag des Jazz

Der Jazzpianist Dimitar Gortschakow zur Aufrichtigkeit und Emotion in der Musik

Donnerstag, 30 April 2026, 14:29

Der Jazzpianist Dimitar Gortschakow zur Aufrichtigkeit und  Emotion in der Musik

FOTO Facebook / Dimitar Gortschakow

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Im Jahr 2011 erklärte die UNESCO auf Initiative des weltberühmten amerikanischen Pianisten und Komponisten Herbie Jeffrey Hancock den 30. April zum Internationalen Tag des Jazz.

Der Jazz, der in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA entstand, vereint afrikanische und europäische musikalische Einflüsse. Obwohl dieser Musikstil jenseits des Ozeans geschaffen wurde, verbreitete er sich schnell in Europa und erreichte auch Bulgarien, wo er dank des Komponisten und Dirigenten Assen Owtscharow populär wurde, der auch den ersten Jazzclub im Land gründete.

Im Einklang mit dem Motto der Jazz-Hauptstadt New Orleans – „Let the good times roll“ – steht auch der Wunsch eines der jungen, aber bereits etablierten Pianisten der modernen Jazzszene in Bulgarien – Dimitar Gortschakow:

FOTO Sofia Art Institute

Ich würde allen Kolleginnen und Kollegen wünschen, Musik mit viel Herzblut zu machen. Findet das, was euch gefällt, und macht es mit äußerster Hingabe. Über Jazz sagt man oft, er sei 100 Prozent Freiheit – natürlich steckt auch viel Arbeit dahinter, aber die Idee ist, sich frei und ehrlich auszudrücken und Dinge so zu spielen, wie sie noch nie zuvor von jemand anderem dargestellt wurden, so wie ihr es in diesem Moment tut. Geht auch im Leben jazzig heran – vergessen wir nicht diesen Impuls, das Leben zu genießen“, so Dimitar Gortschakow.

Er betonte, dass das Vermischen von Genres und die Improvisation im Spiel aus einem starken inneren Bedürfnis entstehen müssen. Ein Beispiel dafür sei der Jazz selbst.

Natürlich braucht es eine entsprechende Einstellung, aber ich denke, meine klassische Ausbildung hat mir die Möglichkeit gegeben, mich umzustellen. Um ein Stück zu spielen, muss man sich in einen bestimmten Zustand versetzen. Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen dem Spielen von Bach, Schostakowitsch oder einem anderen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Man muss die Idee mögen, verschiedene Dinge zu spielen und so in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Kurz gesagt – ich glaube, man muss zuerst herausfinden, was einem gefällt, damit das Spielen funktioniert. Man lernt ohnehin ständig dazu, aber wenn man es nur analytisch macht, funktioniert es nicht. Es braucht auch Herz, das hilft mir zumindest, alles viel leichter zu machen“, sagte Dimitar Gortschakow.

Er ist seinen Lehrern an der Nationalen Musikschule „Ljubomir Pipkow“ und an der Musikakademie „Prof. Pantscho Wladigerow“ – Bogomila Njagolowa und Julia Zenowa – sehr dankbar. Ihnen verdankt er die Begegnung mit der Musik von Komponisten wie Bach, Beethoven, Schostakowitsch, Mozart, Chopin, Rachmaninow und Skrjabin sowie mit den Autoren bedeutender Werke aus dem bulgarischen musikalischen Kulturerbe – Ljubomir Pipkow und Pantscho Wladigerow, die Elemente der bulgarischen Folklore in ihre Kompositionen einfließen ließen.

За искреността и емоцията в музиката – среща с джаз пианиста Димитър Горчаков

FOTO Facebook /Димитър Горчаков

Eigentlich habe nicht ich das Klavier gewählt – vielmehr haben meine Eltern entschieden, mich zum Unterricht anzumelden, um zu sehen, ob das funktionieren würde. Es hat offenbar funktioniert, denn ich habe es schon als Kind gemocht“, erzählte der junge Pianist gegenüber Radio Bulgarien. Er macht aber keine Hehl daraus, dass es auch schwierige Momente gab und er zuweilen den Wunsch verspürte aufzugeben: „Diese Dinge gehören der Vergangenheit ab, und ich hatte wohl das Glück, meine Aufrichtigkeit in allem, was ich tue, zu bewahren. Und wahrscheinlich werde ich so bleiben“, erklärte der talentierte Pianist.

За искреността и емоцията в музиката – среща с джаз пианиста Димитър Горчаков

FOTO YouTube /Dimitar Gorchakov

Im Jahr 2021 präsentierte Dimitar Gortschakow eine eigenständige Fotoausstellung, kombiniert mit einer Musik-Performance, die er „Dunkel Hell“ nannte. Im selben Jahr erschien auch sein Debütalbum mit eigenen Soloklavierstücken „Tomorrow’s Past“, das er mit exklusiven Konzerten in Sofia und Zypern vorstellte. Das Album brachte ihm eine Nominierung für den Preis „Kristall-Lyra“ des Verbands der bulgarischen Musik- und Tanzschaffenden in der Kategorie „Jazz“ ein. Trotz dieser Anerkennung sieht sich der junge Musiker selbst noch nicht als Komponist:

Komponist zu sein ist eine sehr spezifische Tätigkeit und erfordert extreme Hingabe. Ich bin im Moment einfach jemand, der Ideen mit Herz und Verstand in Musik überträgt. Was mich zur Komposition geführt hat, ist der Wunsch nach Freiheit und nach eigenem Ausdruck. Schon als Kind habe ich Improvisationen geliebt. Ich setze mir nicht das Ziel, eine ‚ernste‘ Komposition zu schaffen, sondern sehe das eher als Spiel, denn in den meisten Sprachen bedeutet ‚to play‘ am Klavier auch spielen. Der Kompositionsprozess sollte meiner Meinung nach nicht übermäßig ernst sein, sondern ein Element von Überraschung und Freude enthalten.“


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Übersetzung: Rossiza Radulowa