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Bulgarische Folklore kennt zahlreiche Schutzrituale gegen Vampire

Sonntag, 14 Juni 2026, 16:10

Bulgarische Folklore kennt zahlreiche Schutzrituale gegen Vampire

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Jeder in Bulgarien hat schon in der Kindheit unheimliche Geschichten über gefährliche Vampire gehört. Heute sind sie uns vor allem aus Romanen und populären Filmen bekannt. Dabei darf man nicht vergessen, dass sich zahlreiche Wissenschaftler und Folkloreforscher mit dem Vampir als Volksfigur beschäftigt haben. Ihren Studien zufolge taucht der Vampir zunächst in den Vorstellungen der slawischen Völker auf – lange bevor Westeuropa von der Existenz des Grafen Dracula erfuhr. 

Bereits im 9. Jahrhundert existierten auf unseren Gebieten vielfältige Vorstellungen vom Vampir. Nach den verbreitetsten Überlieferungen lebt er im Grab und verlässt es nach Sonnenuntergang durch eine Öffnung. Da er keine Knochen hat und als Geist gilt, kann er durch jede noch so kleine Spalte eindringen – sogar durch ein Schlüsselloch. Häufig kehrt er in das Haus zurück, in dem er zu Lebzeiten wohnte, treibt dort sein Unwesen, klopft an Decken, zerbricht Geschirr, verschüttet Gefäße, quält das Vieh und trinkt dessen Blut. 

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Um das Thema des bulgarischen Vampirs zu erforschen, kehrte die Ethnologin Dr. Viktoria Basham von der Salisbury University (USA) nach Bulgarien zurück. 

Dr. Viktoria Basham

FOTO Gergana Mantschewa

Über das große Interesse am „folkloristischen Vampir“ – sowohl im Inland als auch weltweit – sagte die junge Forscherin in einem Interview für Radio Bulgarien: 

„Ich habe ein breites Spektrum an Merkmalen des bulgarischen Vampirs untersucht – was er tut, wie er aussieht, warum jemand zum Vampir wird und wie man sich vor ihm schützen kann. Ich habe 396 Aufzeichnungen und Primärquellen zum bulgarischen Vampir gesammelt – darunter Berichte von sogenannten Augenzeugen, Erzählungen über Glaubensvorstellungen, Volksmärchen, Lieder und interessante Flüche. Der abschließende Teil des Projekts ist bereits fertig: eine digitale Plattform auf Bulgarisch und Englisch, die umfassende Informationen bietet und Zugang zu zahlreichen Quellen ermöglicht. Dort sind auch zwölf Originalillustrationen des Künstlers Miroslaw Bonow zu sehen, die auf realen Beschreibungen basieren“, sagte Basham. 

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Auf dieser zweisprachigen digitalen Karte hat Dr. Basham alle geografischen Orte markiert, aus denen ihre Quellen stammen. Mit einem Klick erhält der Leser zusätzliche Informationen zu jedem Ort. Die Forscherin stellte fest, dass die Menschen früher tatsächlich an Vampire glaubten und sich vor ihnen fürchteten – nicht zuletzt als Schutzmechanismus vor Gefahren. 

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„Eine der Hauptursachen dafür, dass jemand zum Vampir wird, ist ein unmoralisches Leben. Im Folkloreverständnis wird so definiert, wer als ‚schlecht‘ gilt und welche Strafe folgt. Gleichzeitig werden moralische Werte und Verhaltensnormen vermittelt – etwa nicht nachts hinauszugehen, verlassene Orte zu meiden oder nicht zu antworten, wenn man im Dunkeln beim Namen gerufen wird. Diese Regeln dienten als eine Art Kompass für die Gesellschaft“, erklärte Dr. Basham. 

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Der „bulgarische Vampir“ gehört zu den beständigsten und vielschichtigsten Figuren der Volksüberlieferung. In ihm spiegeln sich Weltbild, Glaubensvorstellungen und Rituale wider. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Schutzrituale strikt eingehalten, um zu verhindern, dass Verstorbene zu Vampiren werden. Für die Wissenschaft zeigt dies: 

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„Es gibt eine große Vielfalt an vorbeugenden Maßnahmen – sowohl, um zu verhindern, dass ein Toter zum Vampir wird, als auch zum Schutz vor bereits existierenden Vampiren. Diese Figur vereint nicht nur das Weltbild des bulgarischen Volkes, sondern auch zahlreiche Aspekte seiner Geschichte, Kultur und der Glaubensvorstellungen verschiedener ethnischer Gruppen“, so Dr. Basham. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov