Zwischen Wissenschaft und Glauben – Radoslaw Paraschkow über den Niederlanden

Die bulgarische Kirche in Den Haag steht allen orthodoxen Christen offen

Sonntag, 12 Juli 2026, 16:40

Radoslaw Paraschkow mit seiner Familie

Radoslaw Paraschkow mit seiner Familie

FOTO Privatarchiv

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Der Bulgare Radoslaw Paraschkow empfing das Team des Podcasts „Brücke des Glaubens“ in den Niederlanden und machte es mit den Besonderheiten des Landes sowie dem Leben der bulgarischen Gemeinschaft dort vertraut. 

Sein beruflicher Weg führte ihn zunächst nach Deutschland und Frankreich. Heute lebt er mit seiner Frau und seinem Sohn in Amsterdam. 

Er arbeitet beim Europäischen Patentamt in Den Haag als Experte für organische Elektronik. Zu seiner ohnehin beeindruckenden Biografie kommt hinzu, dass er seit Herbst 2025 den Masterstudiengang Theologie an der Universität Hl. Kliment von Ochrid besucht. 

Radoslaw Paraschkow mit Metropolit Antonius in der Bulgarischen Kirche in Den Haag

FOTO Alexandra Karamichalewa

Radoslaw Paraschkow lebt seit 16 Jahren in den Niederlanden und gehört seit 2019 dem Vorstand der Bulgarischen Orthodoxen Kirchengemeinde in Den Haag an, die den Namen des Heiligen Paisij Hilendarski trägt. Im Gespräch mit „Brücke des Glaubens“ berichtete er, dass das heutige Kirchengebäude während der Amtszeit des Heiligen Johannes von Shanghai als Erzbischof von Westeuropa zu einer Kirche umgebaut wurde. 

Im Jahr 2000 stellte die russische Kirchengemeinde „Auferstehung Christi“ in Den Haag aufgrund eines drastischen Mitgliederschwunds ihre Tätigkeit ein. Mit dem Segen des damaligen West- und Mitteleuropäischen Metropoliten Simeon und mit Unterstützung von Vater Rumen Kalajdschiew gründeten die Bulgaren im selben Jahr ihre eigene Kirchengemeinde, übernahmen die Miete des Gebäudes und machten es zu einer bulgarischen Kirche. 

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Irgendwann erkennt man, dass im Leben nicht nur das Materielle wichtig ist. Man versteht, dass jeder der Gesellschaft etwas zurückgeben sollte. Diese Kirchengemeinde gibt den Bulgaren in den Niederlanden die Möglichkeit, ein geistliches Leben zu führen. Mehr als 40.000 Bulgaren leben hier, und dies ist die einzige bulgarische Kirche. Sie ermöglicht uns ein orthodoxes Glaubensleben mit Gottesdiensten und Liturgien in bulgarischer Sprache“, sagte Paraschkow.  

Aus allen Teilen der Niederlande kommen Landsleute zu den Gottesdiensten in die bulgarische Kirche „Heilige Erzengel Michael und Gabriel“ in Den Haag. Auch Georgier, Ukrainer, Russen, Serben, Griechen sowie orthodoxe Niederländer besuchen die Kirche. 

Die Ikone der Heiligen Nina neben der Ikonostase-Ikone des Heiligen Johannes von Rila in der Kapelle

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Unsere Türen stehen allen orthodoxen Christen offen, die in eucharistischer Gemeinschaft mit der Bulgarischen Orthodoxen Kirche stehen“, sagte Radoslaw. 

Die Georgier verfügen in den Niederlanden nicht über ein eigenes Gotteshaus. Deshalb ermöglicht ihnen die bulgarische Gemeinde, an Samstagen oder Sonntagen, wenn keine bulgarischen Gottesdienste stattfinden, die Kirche für ihre eigenen Liturgien zu nutzen. Ein sichtbares Zeichen dieses Zusammenlebens zweier Schwesterkirchen unter dem Dach des Gotteshauses in der Bakkerstraat 57 sowie der Universalität der Orthodoxie ist die Ikone der Heiligen Nino, der Bekehrerin des georgischen Volkes. Sie hängt direkt neben der Ikone des Schutzpatrons des bulgarischen Volkes, des Heiligen Johannes von Rila. 

Die Heilige Nina, Täuferin des georgischen Volkes

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Diese Ikone der Heiligen Nina wurde uns von einem georgischen Bischof und dem Botschafter Georgiens geschenkt. Sie kamen damals zu uns, und wir feierten gemeinsam ein kleines Fest. Die Georgier helfen uns sehr. Auch diese Ikone der Heiligen Dreifaltigkeit stammt von ihnen“, erinnerte sich unser Gesprächspartner.

Nach seiner Überzeugung hat das Christentum auch im modernen Niederlande seinen Platz. 

FOTO Privatarchiv

„Das Christentum ist überall. Irgendwann erkennt die menschliche Seele, wann sie von Gott getrennt ist. Für uns Bulgaren, die in der Orthodoxie aufgewachsen sind, ist die eucharistische Verbindung mit Gott lebensnotwendig“, sagte Radoslaw Paraschkow und verrät sein Rezept für das geistliche Überleben in einer säkularen Welt: 

„Ich habe nur ein Kind. Es ist vier Jahre alt. Wir nehmen es regelmäßig mit in die Kirche und lassen es an der Kommunion teilnehmen. Ich hoffe, dass ihm das beim geistlichen Überleben helfen wird.“ 

Sein innigster Wunsch ist, dass sich künftig noch mehr Menschen in der Bulgarischen Orthodoxen Kirchengemeinde in den Niederlanden engagieren, die notwendigen Renovierungsarbeiten durchgeführt werden können und die Kirche noch schöner wird. 

„Die Kirche soll immer voll sein, jeden Sonntag soll eine Liturgie gefeiert werden und in den Niederlanden soll ein lebendiges bulgarisch-orthodoxes Gemeindeleben bestehen“, so die Hoffnung unseres Landsmanns für die Zukunft der Bulgarischen Orthodoxen Kirchengemeinde „Heiliger Paisij Hilendarski“ und der bulgarischen Kirche in Den Haag. 

FOTO Alexandra Karamichalewa

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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov