Autor
Teodora Spassowa
Artikel
Das Dorf Schegliza – ein Leben an der Donau zwischen Problemen und Hoffnung
Donnerstag 9 Juli 2026 17:36
Donnerstag, 9 Juli 2026, 17:36
FOTO BNR Widin
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Schegliza ist ein kleines und beschauliches Dorf, das sich etwa 20 Kilometer südwestlich der Stadt Widin im Nordwesten Bulgariens befindet. Es liegt vier Kilometer vom großen europäischen Strom Donau entfernt und ist stolz auf seinen schönen Wald. Durch das Dorf verlaufen die Eisenbahnlinie Mesdra–Widin sowie die Fernstraße Widin–Sofia–Kulata.
Trotz seiner verkehrsgünstigen Lage trägt es, wie viele kleine Ortschaften der Region, die Spuren der demografischen Krise: Die Zahl der ständigen Einwohner liegt unter 100, die Bevölkerung ist überaltert.
Georgi Georgiew
FOTO BNR Widin
„Es gibt auch junge Familien, aber die Kinder gehen in den nahegelegenen Städten Dunawzi oder Widin zur Schule“, sagte der langjährige Bürgermeister des Dorfes, Georgi Georgiew und weiter:„Fast keine Nutztiere sind mehr geblieben. Vor Jahren hatten wir noch Pferde und Esel, heute gibt es nur noch Kleinvieh – Schafe und Ziegen, aber auch deren Zahl ist inzwischen sehr gering. Seit etwa fünf Jahren fährt kein Bus mehr nach Schegliza, wir sind ausschließlich auf die Eisenbahn angewiesen. Ein Hausarzt aus Dunawzi kommt zweimal pro Woche, dienstags und donnerstags, sodass wir uns in dieser Hinsicht nicht beklagen können. Wir haben auch zwei Geschäfte, die regelmäßig beliefert werden“, umriss Georgi Georgiew die Lage.
Ein ernstes Problem im Dorf sind, wie an vielen anderen Orten unseres Landes, die schlechte Infrastruktur sowie häufige Störungen im Wasser- und Stromnetz, räumte der Bürgermeister ein:
FOTO BTA
„Unsere Hauptstraße ist die einzige asphaltierte Straße, während die übrigen Straßen mit Kopfsteinpflaster befestigt sind. Wenn es die Möglichkeiten erlauben, erhalten wir gelegentlich Schotter, mit dem wir die Straßen auffüllen. Das Problem ist, dass dies nur vorübergehende Lösungen für ein bis zwei Jahre sind. Im vergangenen Sommer hatten wir zudem häufig Wasserrohrbrüche.“
Die Infrastruktur stellt auch für das kleine Unternehmen von Iwajla Losanowa eine Herausforderung dar. Sie hat in Schegliza ein Gästehaus eröffnet:
FOTO BNR Widin
„Man sagte mir, dass ein Gästehaus drei Jahre brauche, um sich zu etablieren, und danach für einen arbeite. Das stimmt. Ich betreibe es inzwischen seit neun Jahren und habe es ehrlich gesagt eher zum Spaß eröffnet. Ich war mir nicht einmal sicher, ob überhaupt jemand hierherkommen würde. Da ich aber direkt an der Fernstraße liege, empfange ich Gäste aus vielen Ländern. Das Problem ist die sehr schlechte Wasserqualität. Aus den Wasserhähnen fließt rostiges Wasser, die Leitungen wurden seit langem nicht ausgetauscht. Die asphaltierte Straße führt zwar bis zum Haus, die übrigen Straßen sind jedoch nicht asphaltiert und werden nicht gereinigt. Es gibt viele Äste, die nicht zurückgeschnitten werden. Der Strom fällt ständig aus, weil die Trafostationen sehr alt sind. Wenn es regnet, windig ist oder es Gewitter gibt, haben wir keinen Strom. Der Energieversorger und das Wasserunternehmen sind Monopolisten, die nichts tun, während wir nur unsere Rechnungen bezahlen“, sagte Iwajla Losanowa voller Bitterkeit.
Trotzdem fehlt es nicht an Interesse am Kauf von Immobilien im Dorf. Sogar eine englische Familie hat den Ort als neues Zuhause gewählt, berichtete der Bürgermeister. Er räumte ein, dass dieser Prozess aufgrund der Inflation in den vergangenen zwei bis drei Jahren ins Stocken geraten ist, hofft jedoch auf bessere Zeiten.
Georgi Georgiew vergleicht die heutige Situation mit jener im Jahr 2008, als er erstmals zum Bürgermeister gewählt wurde:
„Damals hatte das Dorf mehr als 200 Einwohner, und es wurden viele Tiere gehalten. Heute nimmt die Bevölkerung leider mit jedem Jahr weiter ab. Im vergangenen Jahr konnten wir im Rahmen eines Programms einen neuen Kinderspielplatz errichten, da sich im Sommer Kinder bei ihren Großeltern im Dorf aufhalten. Natürlich hoffen wir, dass die jungen Menschen zurückkehren – nicht nur nach Schegliza, sondern in alle entvölkerten Dörfer. Welche Zukunft sollen diese Orte sonst haben“, fragte er rhetorisch.
FOTO BNR Widin
Im Jahr 2011 wurde der Grundstein für die erste Kirche des Dorfes gelegt. Das Gotteshaus, das innerhalb von fünf Jahren mit Spendengeldern errichtet wurde, steht unter dem Schutz der Heiligen Konstantin und Helena.
Stefan Georgiew
FOTO BNR Widin
Im Dorf gibt es außerdem ein aktives Volkskulturhaus, das den Namen des bulgarischen Dichters Nikola Wapzarow trägt. Dessen Vorsitzender Stefan Georgiew betont, dass sich die Menschen dort zu jedem Fest versammeln:
„Wir beginnen gleich nach Neujahr mit dem Tag der Geburtshelferinnen, dem Omastag. Besonders bewegend ist der 8. März, weil jede Dame ein kleines Geschenk und einen Blumentopf mit einer schönen Pflanze erhält. Das Dorf hat kein eigenes Folkloreensemble, aber ich habe die Absicht, gemeinsam mit vier oder fünf Frauen, die bereits zugestimmt haben, eine kleine Tanzgruppe für Volkslieder und Volkstänze zu gründen. In den vergangenen Jahren sind zwei oder drei Familien im Alter von etwa 30 Jahren zurückgekehrt, und auf sie setze ich meine Hoffnung. Ich bin überzeugt, dass uns als Volk gerade die Folklore, die Tänze und die Volksbräuche erhalten werden“, so Stefan Georgiew.
FOTO Volkskulturhaus "Nikola Jonkow Wapzarow 2010" - Schegliza
Im Volkskulturhaus gibt es außerdem einen mit viel Einsatz errichteten Theatersaal, in dem Schauspieler des Dramatischen Theaters Widin Aufführungen geben.
Die Frauen von Schegliza verstehen es, sehr schmackhaftes frisches Brot zu backen, erzählte Stefan Georgiew weiter. Er habe die Idee, in naher Zukunft ein besonderes Brotfest im Dorf zu veranstalten. Dies wäre ein weiterer schöner Anlass, dieses kleine bulgarische Dorf im Nordwesten des Landes zu besuchen.
Redaktion: Joan Kolew
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa