Autor
Gergana Mantschewa
Nachricht
In Vietnam leben Tausende Freunde Bulgariens
Christina Stoimenowa: Die Menschen dort haben mich mit ihrer Liebe und Kenntnis über meine Heimat tief berührt
FOTO persönliches Archiv
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Vietnam ist heute der Ausgangspunkt für eine Reise mit Radio Bulgarien – nicht, um Parallelen zwischen dem Schicksal der beiden Länder als Teil des sozialistischen Blocks zu suchen, der in Europa zerfallen ist, aber in diesem Teil Asiens weiterhin seine Stützen hat. Aus der jüngeren Geschichte Vietnams wissen wir, dass trotz des verheerenden Krieges bis 1975 die darauf folgenden Reformen das Land mit seinen vielen Millionen Einwohnern zu einem der sich am schnellsten entwickelnden und für ausländische Investitionen attraktivsten Länder gemacht haben. Seit 1995 behält der Staat sein politisches Monopol bei, öffnet jedoch die Türen für private Initiative,Familienunternehmen und Marktmechanismen. Seitdem befindet sich Vietnam in einem wirtschaftlichen Aufschwung, und die Besuche von Präsidenten der USA oder Chinas in Hanoi sind ein Beweis für die Bedeutung Vietnams als Partner und unverzichtbarer Akteur auf der Landkarte Asiens. Charakteristisch für das Land ist die Diplomatie nach dem Prinzip des „Bambusstocks“ – flexibel, aber auch sehr widerstandsfähig gegenüber außenpolitischen Einflüssen.
Der lange Landstreifen an der Westküste des Südchinesischen Meeres, die weitläufigen Buchten, die endlosen Reisterrassen und die exotische Natur machen die Volksrepublik Vietnam zu einem wahren Paradies für Touristen, darunter auch aus Bulgarien.
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Heute sieht man in Sofia selten vietnamesische Touristen, doch die Erinnerung an unser Land in Vietnam ist so warm und lebendig, dass es den „bulgarischen Vietnamesen“ gelingt, damit eine Bulgarin zu begeistern, die Asien zu ihrer zweiten Heimat gemacht hat.
Christina Stoimenowa stammt aus Sofia Ihr Abenteuergeist und ihre berufliche Tätigkeit als Fitnesstrainerin haben sie nach Asien geführt. Die Covid-Pandemie erwischte sie in Vietnam, so dass sie gezwungen war, zwei Jahre lang dort zu bleiben. Damals hörte sie zum ersten Mal die Worte: „Denk daran, dass du bei uns in Vietnam immer ein zweites Zuhause hast!“ Das ist der starke Faden, der sie jedes Jahr zu den „bulgarischen Vietnamesen“ zurückführt. Derzeit ist Christina in Bulgarien, hofft aber, gegen Ende des Herbstes ihre Arbeit und ihr Leben wieder nach Südasien und erneut nach Vietnam zu verlegen.
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„Als reisender Mensch kann ich behaupten, dass das der Ort ist, der mich am stärksten berührt hat. Es ist zu meinem zweiten Zuhause geworden“, gesteht Christina, die zum ersten Mal 2019 in Vietnam ankam. Dorthin führte sie ihre Liebe zum Sport.
„Während der Covid-Pandemie war ich zwei Jahre lang ununterbrochen dort, ohne auch nur einmal nach Bulgarien zurückzukehren. Aber es waren wundervolle Jahre, die mit vielen Erinnerungen verbunden sind. Trotz der Schwierigkeiten und der Sorge um meine Familie. Ich habe von den Menschen in Vietnam so viel Herzlichkeit, Respekt, Freude und Positivität erfahren, dass es wirklich eine unglaubliche Erfahrung war. Danach fiel es mir sogar schwer, nach Bulgarien zurückzukehren und mich wieder einzugewöhnen. Jetzt verbringe ich die Hälfte des Jahres hier, die andere Hälfte in Südostasien.“
Es gibt eine große Gemeinschaft von Vietnamesen, die während des Krieges in Bulgarien gelebt haben. Sie haben in unseren Betrieben und Fabriken gearbeitet und unsere Bildungseinrichtungen besucht. Und sie haben eine außerordentlich wertvolle Erinnerung an unser Heimatland Bulgarien bewahrt. Bis heute treffen sie sich, nähen bulgarische Trachten, singen bulgarische Volkslieder und tanzen zu bulgarischer Volksmusik. Sie sind liebe und treue Freunde Bulgariens“, erzählt Christina Stoimenowa. „Sie sind auch zu sehr lieben und engen Freunden von mir geworden. Wenn ich bei ihnen bin, ziehen wir jedes Mal die bulgarischen Trachten an und machen Fotos. Wir singen, tanzen und tauschen Erinnerungen aus. Jedes Mal bringe ich ihnen Kaschkawal, Schafskäse und Rakija mit. In ganz Vietnam findet man dieselbe Verbundenheit mit Bulgarien.“
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Christinas Eindrücke stammen hauptsächlich aus der Stadt Ho-Chi-Minh im Süden des Landes mit 100 Millionen Einwohnern, wo ihre lieben Freunde – Onkel Trang und Onkel Niki – leben. „Sie lieben die bulgarische Küche sehr und tragen Bulgarien mit einer so tiefen Liebe in ihren Herzen, dass mich das als Bulgarin außerordentlich beflügelt. Es erwärmt mich, dass es Orte auf der Welt gibt, an denen wir als Nation geachtet, geliebt und geschätzt werden“, fährt Christina Stoimenowa mit ihrer Erzählung fort.
„Ho-Chi-Minh ist eine multikulturelle Stadt und das wichtigste Handelszentrum Vietnams. Dort leben 10 Millionen Menschen, darunter viele Ausländer. Dementsprechend gibt es in meinem Umfeld viele Menschen aus aller Welt, die dorthin gegangen sind, um sich weiterzuentwickeln. Auch ich habe dort viel Erfahrung in der Arbeit mit Menschen gesammelt. Ich gehe meiner Arbeit mit viel Liebe und Herzblut nach und unterrichte Yoga in Fitnessstudios, wenn ich in Bulgarien bin. 90 Prozent der Menschen in Vietnam bekennen sich zum Buddhismus. Das ist einer der Gründe, warum die Menschen dort von Natur aus sehr fröhlich, positiv, freundlich, aufgeschlossen und äußerst wertschätzend gegenüber den Talenten anderer sind. Außerdem sind sie als Gesellschaft sehr geeint. Was sie mir beigebracht haben, ist genau diese Brüderlichkeit, diese Einheit, diese gegenseitige Unterstützung, Liebe und der Austausch positiver Energie“, schwärmt Christina Stoimenowa, die zwischen Bulgarien und Vietnam pendelt.
Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa