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Die Stimme Armeniens: 100 Jahre Öffentlicher Rundfunk
FOTO Öffentlicher Rundfunk Armeniens
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Der Bulgarische Nationale Rundfunk (BNR) und der Öffentliche Rundfunk Armeniens sind Partner im Rahmen der Europäischen Rundfunkunion. In diesem Jahr feiern unsere armenischen Kolleginnen und Kollegen das 100-jährige Bestehen ihrer Sendungen. Aus diesem Anlass haben sie den fremdsprachigen Redaktionen von Radio Bulgarien eine besondere Präsentation über die Geschichte des Senders und seine Verbindung zu seinem Publikum von 1926 bis heute zukommen lassen. Hören Sie!
Wenn man heute auf die Weltkarte oder den Globus schaut, sucht man Armenien kaum. In der Liste der 194 Staaten der Erde belegen wir flächenmäßig den 138. Platz – mit etwas weniger als 30.000 Quadratkilometern. Erst wenn man die Karte vergrößert, kommt Armenien zum Vorschein. Zoomt man noch weiter heran, erkennt man ein Land, dessen Umrisse an das Profil eines Frauenkopfes erinnern. Vielleicht nennen wir Armenier unser Land genau deshalb „Mutter Armenien“.
Doch das Thema unseres heutigen Gesprächs sind nicht Armenien und seine historische Vergangenheit. Wir möchten über ein Ereignis sprechen, das sich vor genau 100 Jahren abspielte – am 1. September 1926. An diesem Tag wandte sich der armenische Rundfunk zum ersten Mal über die Ätherwellen an seine Hörer. Die historischen Worte lauteten: „Hören Sie! Hören Sie! Hier spricht der Großrundfunksender Eriwan.“
Die regelmäßigen Ausstrahlungen begannen schließlich am 15. Juni 1927.
Ab 1929 wurden die Sendungen erstmals von professionellen Rundfunksprechern moderiert. Zu den ersten gehören Vergine Babajan und Suren Kananjan.
Heute kann praktisch jeder, der ein Smartphone mit Internetverbindung besitzt, von jedem beliebigen Ort aus eine Live-Übertragung starten. Vor Jahrzehnten jedoch stellte dies selbst für viele spezialisierte Institutionen mit Sonderausstattung ein unlösbares technisches Problem dar – von Einzelpersonen ganz zu schweigen. Seit seiner Geburtsstunde sendete das armenische Radio zwar live, allerdings ausschließlich direkt aus dem Studio des Funksenders. Für Außenübertragungen von anderen Orten fehlte es damals schlicht an den nötigen technischen Mitteln und Möglichkeiten.
Am 1. Mai 1934 organisierte die Redaktion für gesellschaftspolitische Programme auf dem Eriwaner Leninplatz (dem heutigen Platz der Republik) die allererste Live-Radioreportage. Sie wurde vom Rundfunksprecher Jegische Howhannisjan moderiert.
Die erste Sport-Live-Reportage wiederum fand am 15. September 1937 im Republikanischen Stadion von Eriwan statt – bei einem Fußballspiel zwischen Spartak Eriwan und Dynamo Moskau.
Das schwere Schicksal des armenischen Volkes hat uns Armenier über die ganze Welt verstreut. Es kam die Zeit, in der das armenische Radio beschloss, Sendungen auch für unsere im Ausland lebenden Landsleute zu produzieren und auszustrahlen.
Im Jahr 1947 begann das armenische Radio, auch Sendungen für die Diaspora vorzubereiten. Die erste Sendung wurde am 10. September 1947 um sieben Uhr abends ausgestrahlt. Die Ehre der ersten Ansprache wurde der Volkskünstlerin Armeniens, Hratschuhi Dschinanjan, zuteil. An jenem Tag gratulierten der Schriftsteller Awetik Issahakjan und der Schauspieler Vahram Papasjan unseren Landsleuten. Und die ersten Worte lauteten: „Hier spricht Eriwan, hier spricht Eriwan…“
Neben all dem hat der öffentliche Rundfunk eine weitere fundamentale Mission: die Archivierung unseres akustischen Erbes. Ob Archiv, Phonothek, Goldfonds oder akustisches Matenadaran – wie auch immer man es nennen mag, der Kern bleibt derselbe: die Bewahrung unserer nationalen Kulturschätze und deren Weitergabe an kommende Generationen.
Heute umfasst unsere Phonothek 102.422 Tonbänder mit einer Gesamtdauer von 12.324 Stunden. Diese sind selbstverständlich digitalisiert, sodass sie nicht mehr verloren gehen, gelöscht werden, verbrennen oder verschwinden können. Es sind Musikaufnahmen, Hörspiele, Reden großer Persönlichkeiten, Ansprachen und Sendungen – und das keineswegs nur auf Armenisch oder mit rein armenischem Bezug. Wir bewahren auch Tonbänder in den Sprachen vieler anderer Völker auf.
Der Rundfunk blickt auf ein reiches Erbe und wunderbare Geschichten zurück, die aus der Zusammenarbeit mit namhaften armenischen Schriftstellern, Komponisten und Künstlern hervorgegangen sind. Eine Besonderheit des Radios liegt auch darin, dass wir vier eigene Musikensembles in unseren Reihen haben.
Das älteste unter ihnen, das Verdiente Ensemble für Volksinstrumente namens Aram Meranguljan, feiert in diesem Jahr ebenfalls sein 100-jähriges Gründungsjubiläum.
Hinzu kommen das Estrada-Symphonieorchester, das Aschughen-Ensemble „Sayat-Nova“ sowie das Kindermusikensemble „Arevik“.
Genau dieses Ensemble „Arevik“ war es, das Armenien im Jahr 2007 zum ersten Mal beim Junior Eurovision Song Contest vertrat und den zweiten Platz belegte. Im Jahr 2021 sang sich Maléna, die armenische Vertreterin beim Junior ESC, auf den ersten Platz, woraufhin der Wettbewerb im Folgejahr 2022 in Armenien ausgetragen wurde.
Übrigens war Armenien in diesem Jahr, 2026, auch Gastgeber des internationalen Wettbewerbs „Eurovision Young Musicians“.
Das Radio unserer Tage ist längst kein reines Radio mehr; es ist eine Multimedia-Plattform, eine große Medienholding mit sieben Hörfunkprogrammen, dutzenden großen und kleinen Tonstudios, einer Webseite und Videoproduktionen. Die Webseite ist in zwölf Sprachen verfügbar und umfasst sowohl die Sprachen der in Armenien lebenden nationalen Minderheiten als auch die der Länder der Region.
Heute ist der Öffentliche Rundfunk Armeniens ein Vollmitglied der Europäischen Rundfunkunion. Bei dieser Gelegenheit möchten wir unseren vier Partnerrundfunkanstalten aus Irland, Kroatien, Litauen und Finnland gratulieren, die in diesem Jahr ebenfalls ihr 100-jähriges Bestehen feiern.
Ich weiß nicht, wo du mir gerade zuhörst, in welchem Land du dich befindest. Ich weiß nicht einmal, ob du Armenier bist oder nicht.
Doch wo auch immer du lebst, wer auch immer du sein magst – falls du eines Tages in Eriwan bist, besuche den Öffentlichen Rundfunk. Gleich hier am Eingang wird dich unsere singende Statue begrüßen, aus der täglich wunderschöne, niveauvolle armenische Musik erklingt. Unser Gebäude, das im Jahr 1956 erbaut wurde und bis heute dem Radio und der Öffentlichkeit dient, nennen wir „Radiotun“ – das Radiohaus. Das ist unser Zuhause. Das Haus unserer nationalen Kultur, unserer Musik, Literatur, unseres Geistes und unseres gesprochenen Wortes.
FOTO Öffentlicher Rundfunk Armeniens
Zum 100. Jahrestag der Gründung des „Rundfunks Armenien“ wünschen wir unseren Kolleginnen und Kollegen weiterhin viel Erfolg bei ihrem engagierten Einsatz für die Verbreitung und den Erhalt des kulturellen Reichtums ihres Landes!
Redakteurin: Dessislawa Semkowska
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov