Autor
Zwetana Tontschewa
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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:
Alexandar Jossifows „Requiem“ – ein Hohelied der Liebe mit Lili Iwanowa
Lili Iwanowa
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„Requiem“ nach einem Text von Jordan Milew ist das erste Lied des Komponisten Alexandar Jossifow im Repertoire der unbestrittenen Ikone der bulgarischen Popmusik, Lili Iwanowa. Die Begegnung mit Jossifow gehört zu den wichtigsten Ereignissen im Leben und Schaffen der Primadonna der bulgarischen Unterhaltungsmusik. Jahre später sollte sie den Komponisten als „einen der größten Aristokraten der bulgarischen Musik“ bezeichnen. Jossifow ist gerade einmal 27 Jahre alt, Lili ist etwa ein Jahr älter. Genau zu dieser Zeit – Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre – beginnt ihr glanzvoller Aufstieg. Es ist die Zeit, in der Lili Iwanowa – die bedeutendste bulgarische Popinterpretin aller Zeiten – ihr Repertoire vollständig mit Liedern bulgarischer Autoren aufbaut. Während ihrer gesamten späteren Karriere singt sie fast ausschließlich auf Bulgarisch und erhebt die bulgarische Poesie zu einem Kult. Die kreative Zusammenarbeit zwischen ihr und Alexandar Jossifow ist äußerst fruchtbar: Er beginnt, eigens für Lili Lieder zu schreiben, mit denen sie renommierte internationale Auszeichnungen gewinnt.
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„Requiem“ nach einem Gedicht von Jordan Milew, das bis heute als Klassiker ihres Repertoires gilt, wurde 1968 auf Bulgarisch und Türkisch aufgenommen. Zwei Jahre später erhielt das Lied beim Festival in Rio de Janeiro eine Bronzemedaille. Die Wahl des Textes trug maßgeblich zum Erfolg bei.
Jordan Milew verfasste auch den Text des Hits „Adagio“, der Lili Iwanowa und dem Komponisten Angel Saberski 1966 beim Intervisionsfestival in Bratislava die höchste Auszeichnung – den „Goldenen Schlüssel“ – einbrachte. Milew war ein Künstler mit breit gefächerten literarischen und kulturellen Interessen: Dichter, Schriftsteller, Übersetzer und Journalist. Er wurde 1933 in einem kleinen Dorf im Nordwesten Bulgariens geboren. Nach seinem Journalistikstudium an der Sofioter Universität spezialisierte er sich in Taschkent, Teheran, Delhi und Manila auf orientalische Kulturen. Er veröffentlichte Dutzende Gedichtbände, Kinderbücher und Reiseberichte. Seine Werke wurden in mehr als 15 Sprachen übersetzt, darunter Arabisch, Hindi und Persisch. Große Verdienste erwarb er sich auch durch seine Übersetzungen orientalischer Dichter ins Bulgarische – darunter der usbekischen Klassiker des 20. Jahrhunderts Gafur Guljam und Zulfiya Israilowa, der legendären persischen Autoren Hafis, Omar Chajjam, Firdausi und Saadi sowie der Sanskrit-Sammlung „Panchatantra“.
Jordan Milew
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Seine intensive Auseinandersetzung mit den Kulturen und literarischen Traditionen des Orients prägte auch sein ganz eigenes poetisches Denken. Ein markantes Beispiel ist die Wahl des Titels „Requiem“ für ein Gedicht, das die Liebe besingt. In Milews „Requiem“ wird die Liebe „jahrhundertelang unsterblich, aber nur einmal – lebendig“ sein. „Mein Vater schätzte die bulgarischen Dichter, pflegte persönliche Freundschaften mit vielen von ihnen. Sie schenkten ihm ihre Gedichtbände, und er komponierte seine Lieder immer ausschließlich zu bereits geschriebener Lyrik“, sagte 2025 seine Tochter Borjana in einem Exklusivinterview für Radio Bulgarien. Im selben Interview betonte sie die hohen Ansprüche, die sowohl Lili Iwanowa als Interpretin als auch Alexandar Jossifow als Komponist stets an den Text eines Liedes stellten.
Die besondere Bildsprache, der musikalische Rhythmus, der elegische Klang, die Philosophie und die Metaphern – all das, was ein poetischer Text an sprachlicher Feinheit, aber auch an Botschaft vermittelt – wurde von den beiden Musikern besonders aufmerksam betrachtet. Ihre Sensibilität für das Wort ist einer der Gründe dafür, dass die kreative Zusammenarbeit zwischen Sängerin und Komponist so bemerkenswert war.
Alexandar Jossifow
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Jahrzehnte nach seiner Entstehung erhielt „Requiem“ neues Leben. Die bislang letzte Version wurde 2014 in Lili Iwanowas Album „Der Poet“ aufgenommen. Bis heute hat das Lied seinen festen Platz sowohl im künstlerischen Schaffen der Sängerin als auch im Kanon der bulgarischen Musikkultur.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov