„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

Wenera Mateewa-Bajtschewa

Wenera Mateewa-Bajtschewa

FOTO Wessela Krastewa

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Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres und vor der Sommerpause der bulgarischen Abgeordneten wurde erneut über gesetzliche Änderungen im bulgarischen Bildungssystem gesprochen. Ende Juli schlug die Regierungspartei „Progressive Bulgarien“ Änderungen am Gesetz über die Vorschul- und Schulbildung vor. Sie zielen auf die frühzeitige Erkennung sprachlicher Probleme bei Schülerinnen und Schülern, eine bessere sprachliche Integration, die Entwicklung moralischer, sozialer und bürgerlicher Kompetenzen sowie die Einführung eines Unterrichtsfachs zu Tugenden und Religionen. Die vorgeschlagenen Änderungen sehen standardisierte Instrumente zur Bewertung der Sprachkenntnisse beim Eintritt in den Kindergarten, am Ende der Vorschulbildung, bei der Einschulung sowie bei der Rückkehr aus dem Ausland oder bei Kindern mit internationalem oder vorübergehendem Schutz vor.

In der neuen Sitzungsperiode des Parlaments werden die Vorschläge auf Ausschussebene beraten. Sollten die Änderungen verabschiedet werden, könnten sie frühestens ab dem Schuljahr 2028/2029 in Kraft treten.


„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

FOTO Facebook / Vereinigung der Bulgarischen Schulen im Ausland

Das Lehren und Lernen von Bulgarisch als Zweit- und Fremdsprache sowie Methoden und Instrumente zur Unterstützung unter den Bedingungen der heutigen Zeit waren auch Thema der 19. Ausgabe der Jahreskonferenz, die Ende Juli in Sofia von der Vereinigung der bulgarischen Schulen im Ausland organisiert wurde. Doz. Dr. Wenera Mateewa-Bajtschewa, Dozentin für Bulgarisch als Fremdsprache am Lehrstuhl „Bulgarisch als Fremdsprache“ der Fakultät für Slawische Philologien der Sofioter Universität „Hl. Kliment von Ochrid“, stellte den Teilnehmern das Projekt „Retscheniza“ vor – ein integratives System zum Erlernen von Bulgarisch als Fremd- bzw. Zweitsprache. Das System richtet sich an alle, deren Muttersprache nicht Bulgarisch ist, darunter ausländische Studierende an der Sofioter Universität sowie im Ausland lebende Bulgaren, darunter Schülerinnen und Schüler bulgarischer Sonntagsschulen ab zwölf Jahren bzw. ab der 5. Klasse.

„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

FOTO Wessela Krastewa

Das System umfasst einzelne Elemente, die sowohl eigenständig als auch in Kombination eingesetzt werden können. Ihr Hauptziel ist es, Lernmodelle zu schaffen, mit denen die Lernenden kommunikative Kompetenz erwerben, das heißt, dass sie sich leicht und schnell an der Kommunikation auf Bulgarisch in unserer Umgebung beteiligen können. Wir arbeiten an der Entwicklung von Lehrbüchern, die sich zunächst an unsere ausländischen Studierenden richten. Wir wissen aber, dass wir Lehrbücher schaffen, die weltweit in unterschiedlichen Umgebungen eingesetzt werden können“, erläuterte Doz. Dr. Wenera Mateewa-Bajtschewa.

„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

FOTO Wessela Krastewa

Verwendet werden unterschiedliche Textsorten – Erzählungen, Nachrichten, Broschüren, Anleitungen, Fahrpläne und Formulare, die entsprechend den Sprachkenntnissen und den kommunikativen Zielen ausgewählt wurden. Vorgesehen sind auch methodische Hinweise für Lehrkräfte, die Bulgarisch auf Universitäts- oder Schulebene in verschiedenen Ländern unterrichten.

„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

FOTO Wessela Krastewa

Gegenüber Radio Bulgarien sagte die Dozentin, dass die neuen Lehrbücher für die Stufen A1 und A2, die für den Unterricht von Bulgarisch als Fremdsprache eingesetzt werden sollen, im Rahmen des Projekts „Retscheniza“ bereits von den Sprachwissenschaftlern der Sofioter Universität „Hl. Kliment von Ochrid“ entwickelt wurden. Ihre Inhalte wurden auch während des 63. Sommerseminars für bulgarische Sprache und Kultur für ausländische Bulgaristen und Slawisten erörtert, das vom 12. Juli bis zum 1. August an der ältesten Hochschule des Landes, der Sofioter Universität „Hl. Kliment von Ochrid“, stattfand. Nach Abschluss der Testphase und der notwendigen Überarbeitungen sollen die Lehrbücher im September vom Universitätsverlag gedruckt werden.

Ebenfalls entwickelt wurde ein mehrsprachiges thematisches Wörterbuch für die Stufen A1 und A2 mit mehr als 1.800 Wörtern auf Bulgarisch, Englisch, Deutsch, Russisch und Tschechisch. Das Wörterbuch enthält thematisch geordneten Wortschatz, die am häufigsten verwendeten Höflichkeitsformeln, Wortverbindungen und Anwednungen und ist sowohl für die Arbeit im Unterricht als auch für die praktische Kommunikation bestimmt.

Im kommenden akademischen Jahr sollen auch Lehrbücher für höhere Sprachniveaus entwickelt werden. „Das ist ein großes Ereignis für uns und unsere Gemeinschaft der Bulgaristen, denn die letzte Ausgabe solcher Lehrbücher der Universität stammt aus dem Jahr 2014“, sagte Doz. Bajtschewa. Während ihrer Präsentation und im Rahmen der Jahreskonferenz der Vereinigung der bulgarischen Schulen im Ausland wurde erneut darauf hingewiesen, dass Bulgarisch als Zweit- und Fremdsprache, aber auch als Herkunftssprache gelernt werden kann.


„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

FOTO Wessela Krastewa

Der Begriff ,Herkunftssprache‘ ist erst in den vergangenen Jahren entstandne. Mehrfach wurde bereits erwähnt, dass unsere Sonntagsschulen Schülerinnen und Schüler haben, die zur zweiten oder sogar dritten Generation von Migranten gehören. Das heißt, dass die Sprache inzwischen sogar für die Eltern dieser Kinder nur noch eine Zweitsprache ist. Es handelt sich um die Herkunftssprache der Familie, aber diese Sprache wird nirgendwo aktiv verwendet. Im Alltag kommunizieren sie untereinander bereits in der anderen Sprache, die für sie zur ersten Sprache geworden ist. Diese Terminologie – erste Sprache, Zweitsprache und Herkunftssprache – ist auch in unseren wissenschaftlichen Theorien noch nicht vollständig eindeutig definiert. Die Unterscheidung erfolgt jedoch anhand des Grades und der Aktivität der Verwendung. Das aktiviert unsere Bemühungen, damit die bulgarische Sprache nicht verloren geht. Und hier leisten die Kolleginnen und Kollegen an den Sonntagsschulen einen enormen Beitrag, denn selbst in seiner Funktion als Herkunftssprache ist Bulgarisch ein großer Reichtum für heranwachsende Kinder mit bulgarischen Wurzeln und bulgarischer Herkunft“, betonte Doz. Bajtschewa.

Methodisch und organisatorisch seien die Unterschiede beim Erlernen von Bulgarisch als Zweit-, Fremd- oder Herkunftssprache nicht groß, versicherte Doz. Bajtschewa. Deshalb orientieren sie und das Wissenschaftlerteam des Projekts „Retscheniza“ sich an den Erfahrungen ihrer Vorgänger bei der Vermittlung von Lese- und Schreibkompetenzen im Bulgarischen als Fremdsprache, verbinden diese Methodik und Theorie jedoch mit den neuen Gegebenheiten der heutigen Zeit.

„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

FOTO Wessela Krastewa

Und wir tun dies mit dem Wissen um die Mission, die wir gegenüber allen Menschen haben, die Bulgarisch gut beherrschen möchten. Ganz gleich, ob es Ausländer sind, die zum Studieren oder Arbeiten in unser Land gekommen sind, Menschen, die den direkten Kontakt zur bulgarischen Sprache verloren haben und nicht hier leben, oder Kinder aus Familien der bulgarischen Minderheiten. Wir sind der Ansicht, dass wir Modelle entwickeln können, durch die Bulgarisch als offizielle Sprache unseres Landes lebendig bleibt“, erklärte Doz. Bajtschewa.

Abschließend räumte sie ein, dass „Bulgarisch keine leichte Sprache ist, aber es hat seine engagierten Botschafter in aller Welt, die unermüdlich dafür sorgen, dass die Sprache immer populärer wird und leichter erlernt werden kann. Und unsere Sprache gewinnt bereits deutlich an Popularität“, stellte Doz. Dr. Wenera Mateewa-Bajtschewa abschließend fest.

„Retscheniza“ – Bulgarisch lernen im Rhythmus der Gegenwart

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Das Projekt „Retscheniza“ ist zeitlich unbefristet und steht allen Nutzern vollständig offen, denn seine Mission lautet: Die Bulgarische Sprache soll überall auf der Welt erklingen, wo sie gebraucht wird.


Übersetzung: Rossiza Radulowa