Die unerlöschenden Lichter von Budapest – Brücke zwischen den Generationen

Sonntag, 11 Oktober 2026, 13:35

Rumjana Iwanowa

Rumjana Iwanowa

FOTO Alexandra Karamichalewa

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Rumjana Iwanowa ist Mitglied des Kirchenvorstands der Kirche „Hll. Kyrill und Method“ und engagiert sich aktiv für die bulgarische Gemeinschaft in Ungarn. Unter der Kuppel dieser Kirche erfahren wir, wie Kinder aus binationalen Familien in Budapest Bulgarisch lernen und ihre Muttersprache bewahren, warum sich viele von ihnen nach dem Schulabschluss für ein Studium an bulgarischen Universitäten entscheiden und wie die Gemeinschaft nach den verschollenen Namen der ersten Spender sucht, die vor mehr als einem Jahrhundert ihre Kirche mit aufgebaut haben. 

Es ist die Geschichte eines einzigartigen Modells der Zusammenarbeit zwischen Kirche, Schule und Kulturzentrum in der ungarischen Hauptstadt. Eine Geschichte über die lebendigen Fäden des bulgarischen Geistes jenseits der Landesgrenzen, über die Aufgabe, die Erinnerung an die Vorfahren zu bewahren, und über die Kraft des orthodoxen Glaubens, die den Menschen durch die Wechselfälle der Zeit und die Vergänglichkeit dieser Welt trägt. 

Der Weg vieler heute engagierter Mitglieder der bulgarischen Gemeinschaft in Budapest begann einst im Bildungszentrum. Die bulgarische Schule verbindet seit Jahrzehnten auch das persönliche Schicksal von Rumjana Iwanowa mit Ungarn. Bevor sie sich dem Dienst in der Kirche widmete, führte ihr Lebensweg zunächst ins Klassenzimmer. 

Die unerlöschenden Lichter von Budapest – Brücke zwischen den Generationen

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Ich kam 2002 nach Ungarn und war Lehrerin an der bulgarisch-ungarischen Schule. Nachdem meine Tätigkeit dort beendet war, bin ich geblieben, weil ich mit einem Ungarn verheiratet bin, und habe mein Leben hier in Budapest fortgesetzt“, erinnerte sie sich an ihre Anfänge. 

Die Verbindung der Kirchenvorständin Rumjana Iwanowa mit der Bildungsarbeit ist kein Zufall. In Budapest gingen Schule und Kirche von der Gründung der Gemeinschaft bis heute stets Hand in Hand. Der Vorläufer der heutigen bulgarischen Kirche war eine Kapelle im Gebäude der bulgarischen Schule in der Lónyay-Straße. Dort hielt der Gründer der Kirchengemeinschaft „Hll. Kyrill und Method“, der Mönchspriester Boris – der spätere Metropolit von Newrokop –, die ersten Gottesdienste für die Gemeinschaft. 

Die unerlöschenden Lichter von Budapest – Brücke zwischen den Generationen

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Wie überall hat die Kirche unsere Gemeinschaft immer zusammengebracht“, erinnert sich Rumjana Iwanowa gegenüber dem Team des spezialisierten Podcasts von Radio Bulgarien „Brücke des Glaubens“. „Aber nicht nur sie, denn direkt gegenüber der Kirche befindet sich unser schönes Kulturhaus. Dort treffen wir uns zu allen Festen. Von den Kleinsten bis zu den Ältesten in unserer Gemeinschaft – wir haben uns immer gesehen, respektiert und geliebt.“ 

Das lebendige Zusammenspiel von Schule, Kirche und Kulturhaus – dem Nachfolger des einstigen bulgarischen Kultur- und Bildungsvereins – zeigt sich immer wieder bei zahlreichen gemeinsamen Initiativen und Festveranstaltungen. Es ist überall spürbar: von der gemeinsamen Freude und den kleinen Geschenken für die Kinder des Kindergartens zu Ostern bis hin zu großen Veranstaltungen in der Kirchengemeinde. Ein Symbol dieser Einheit ist die eigens errichtete Bühne im Schulhof, die jeden Frühling zum pulsierenden Herzen der Diaspora wird. 

Kirche „Hll. Kyrill und Method“ in Budapest

Kirche „Hll. Kyrill und Method“ in Budapest

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Zu Ostern haben wir die Kinder des Kindergartens mit ihren Lehrerinnen empfangen“, erzählt die Kirchenvorständin mit einem Lächeln. „Wir haben jedem Kind ein Kosunak, ein gefärbtes Ei, Schokolade und ein Spielzeug geschenkt. Und zum 24. Mai – unserem großen Feiertag – errichten wir im Schulhof eine große Bühne, auf der wir jedes Jahr die Feier veranstalten. Wir laden alle unsere Kinder mit ihren Eltern, Großeltern sowie Landsleute aus anderen ungarischen Städten ein. Wir versammeln uns alle hier, in diesem mit der Kirche verbundenen Hof, um den Tag der bulgarischen Schrift, Kultur und der heiligen Brüder Kyrill und Method zu feiern.“

Bulgarische Schule und Kindergarten in Budapest

Bulgarische Schule und Kindergarten in Budapest

FOTO Bulgarische Schule und Kindergarten in Budapest

Direkt neben der Kirche „Hll. Kyrill und Method“ steht das 2024 errichtete neue Gebäude, in dem heute die bulgarische Schule untergebracht ist. Sie verfügt über moderne und hervorragend ausgestattete Räumlichkeiten, in denen Kinder verschiedener Altersgruppen täglich Bulgarisch, Geschichte und Literatur lernen. Auch der Kindergarten befindet sich dort und verfügt über alle notwendigen Einrichtungen – Lehrerzimmer, Fachräume und Büros. In diesem gemeinsamen Hof spielt sich der Alltag der Kinder ab, die zwischen Schulhof und Kirchenglocken aufwachsen. 

Die unerlöschenden Lichter von Budapest – Brücke zwischen den Generationen

FOTO Alexandra Karamichalewa

Bei früheren Besuchen in der ungarischen Hauptstadt ist ein bewegendes Bild besonders in Erinnerung geblieben: Mitten im Sommer fahren die Kinder mit Bussen nach Bulgarien. Diese traditionellen jährlichen Bildungsreisen machen sie unmittelbar mit den Klöstern, Städten und historischen Heiligtümern ihrer Vorfahren bekannt. So werden sie ihrerseits zu lebendigen Bewahrern der familiären Erinnerung. 

Die unerlöschenden Lichter von Budapest – Brücke zwischen den Generationen

FOTO Bulgarische Schule und Kindergarten in Budapest

„Unsere Kinder reisen jedes Jahr“, bestätigt die Kirchenvorständin. „Sie unternehmen große Rundreisen durch das Land, um die bulgarische Geschichte aus nächster Nähe kennenzulernen. Sie besuchen Städte, Dörfer und Klöster, damit sie nicht vergessen, woher sie kommen, und aus unserer Heimatkultur mit vollen Händen schöpfen können.“

Dank dieses Zusammenhalts der Bulgaren in Ungarn und der hervorragenden Organisation des Bildungs-, Kultur- und Kirchenlebens sprechen selbst Kinder aus binationalen Familien hervorragend Bulgarisch und bewahren ihre nationale Identität lebendig. 

Das heutige Gemeinschaftsleben steht auf einem tiefen historischen Fundament, in dem die Achtung vor den Vorfahren eine zentrale Rolle spielt. Die Sorge um die Würde und Schönheit der Kirche verbindet sich heute mit der ehrenvollen Aufgabe, die Erinnerung an ihre ersten Erbauer wiederherzustellen. Denn wer die Zukunft gestalten will, muss zunächst die Vergangenheit kennen und schätzen. In diesem Jahr steht die Gemeinschaft vor einer großen historischen Aufgabe. Rumjana Iwanowa erzählte bewegt davon: 

Die unerlöschenden Lichter von Budapest – Brücke zwischen den Generationen

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Die Kirche feiert in diesem Jahr den 110. Jahrestag ihrer Errichtung. Sie wurde nicht nur mit Unterstützung des bulgarischen Staates, sondern auch mit den Mitteln vieler Spender erbaut. Es ist unsere Pflicht, diese Menschen zu ehren, die wirklich etwas für das Haus Gottes getan haben. Deshalb planen wir jetzt, die ermittelten Namen auf speziellen Tafeln festzuhalten. Wir suchen und erforschen noch weitere Namen, um sie in der Kirche oder außerhalb von ihr anzubringen. Wir bemühen uns darum, dass die Geschichte nicht vergessen wird. Gemeinsam mit unserem Gemeindepfarrer, Vater Tantscho, und unserem neuen Vorsitzenden Alexi Andonow versuchen wir, mehr für diese Kirche zu tun. Sie ist das stärkste Mittel, um die Bulgaren miteinander zu verbinden, damit sie unseren Glauben, unsere Kultur und unser Erbe bewahren.“ 

In Budapest besteht das kirchliche Leben in einem einzigartigen, harmonischen Zusammenspiel mit den anderen Säulen des bulgarischen Gemeinschaftslebens – dem Verein der Bulgaren in Ungarn und der Bulgarischen Republikanischen Selbstverwaltung, dem offiziellen Organ der Gemeinschaft gegenüber dem ungarischen Staat. Heute kümmern sich alle gemeinsam um die Würde und Schönheit des Gotteshauses. Zu dieser gemeinsamen Aufgabe gehört auch die Bewahrung der Erinnerung an die ersten Spender, die zum Bau der Kirche beigetragen haben.

Die unerlöschenden Lichter von Budapest – Brücke zwischen den Generationen

FOTO Alexandra Karamichalewa

„Genau das wollen wir tun“, erzählte Rumjana. „Wir möchten, dass Vater Tantscho bei der Feier der Heiligen Liturgie auch die Namen dieser Menschen erwähnt, die wirklich so viel für unsere Gemeinde getan haben.“ 

Ein sichtbarer und zugleich liturgischer Ausdruck der untrennbaren Verbindung zwischen den Generationen ist auch der eigens gestaltete Bereich in der nördlichen Apsis der Kirche. Dort sind die Bilder verstorbener Mitglieder der bulgarischen Gemeinschaft aufgestellt. Für die heutigen Gemeindemitglieder, die vor diesen Bildern stehen, sind die Vorfahren nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit, sondern gegenwärtige Weggefährten und Helfer. Dieser Ort ist wie ein Fenster zur Ewigkeit. Vor ihm verschwimmen die Grenzen der Zeit und erinnern daran, dass in Christus alle lebendig sind. 

Denn das kirchliche Leben jenseits der Landesgrenzen bedeutet weit mehr als die Bewahrung von Traditionen. Die Kirche ist nicht nur ein Denkmal vergangener Zeiten, sondern eine unversiegende Quelle des lebendigen Wassers, des Glaubens und der Hoffnung. In ihr erhalten Kontinuität und die Verbindung zwischen den Generationen eine transzendente Bedeutung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen im Streben nach jener Ewigkeit, die der orthodoxe Glaube schenkt. 


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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov