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Gabriela Iliewa baut das „Blumen des Paradieses“ im Wraza-Balkan an

„Safranproduzenten – des teuersten und wertvollsten Gewürzes – erhalten keinerlei staatliche Unterstützung“, sagte sie

Samstag, 10 Oktober 2026, 17:25

Gabriela Iliewa baut das „Blumen des Paradieses“ im Wraza-Balkan an

FOTO Gabriela Iliewa

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Jede Lebensgeschichte hat ihre eigene Dramaturgie – als würde ein Regisseur die Schritte vorgeben, die wir gehen sollen. Doch meistens übernehmen wir nach der ersten Anweisung selbst das Steuer. So ist es auch nicht ungewöhnlich, dass eine intensive Beschäftigung mit dem Klavierspiel an einer Musikschule eines Tages an den Fuß eines Berges führt, wo man sich hingebungsvoll dem Anbau von Safrankrokus widmet. 

Dies ist die Geschichte von Gabriela Iliewa aus Wraza. Auf Wunsch ihrer Mutter begann sie im Alter von fünf Jahren Klavier zu spielen. In der neunten Klasse beschloss sie jedoch nach der Lektüre ihres Lehrbuchs für anorganische Chemie, eine Ausbildung zur Laborantin an einer chemischen Fachschule zu machen. Ihr Studium an der Universität für Chemische Technologie und Metallurgie dauerte nur ein Jahr, weil sie Vorlesungen und Arbeit, mit der sie ihren Lebensunterhalt finanzierte, nicht miteinander vereinbaren konnte. Die nächste Welle des Lebens führte sie nach Großbritannien. Dort kümmerte sie sich zunächst um kleine Kinder, erlernte anschließend den Beruf der Reinigungskraft und gründete schließlich gemeinsam mit einem Freund ein eigenes Unternehmen für den Verkauf gebrauchter Möbel, die für Menschen mit Wirbelsäulenproblemen bestimmt waren. Doch weil sie sich selbst als neugierigen Menschen bezeichnet, der gerne experimentiert, beschloss sie, etwas Sinnvolles zu beginnen und sich wieder heimisch zu fühlen. 

Gabriela Iliewa

Gabriela Iliewa

FOTO Bulgarischer Safrananbauerverband

„2016 kehrte ich nach sechs Jahren in England nach Bulgarien zurück. 2019 – kurz nachdem ich meinen Mann kennengelernt hatte – beschlossen wir, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen“, erinnerte sich Gabriela Iliewa. „Es sollte etwas mit Landwirtschaft zu tun haben, weil wir über Flächen verfügen, aber es sollte interessanter, exotischer und anspruchsvoller sein. Also begann ich im Internet zu recherchieren und stieß auf Safran. Wir kauften 100 Kilogramm Knollen beim Produzenten Hassan Tachirow, weil er auch die Abnahme der Ernte anbot, und pflanzten sie in unserem Garten, ohne zu wissen, was daraus werden würde.“

Gabriela Iliewa baut das „Blumen des Paradieses“ im Wraza-Balkan an

FOTO Bulgarischer Safrananbauerverband

Das Ergebnis war für die Anfänger überraschend gut. Mit der ersten Ernte lernten sie, dass alles von Hand gemacht wird, dass der Safran von Mitte Oktober bis Mitte November blüht, dass er jeden Tag bei Sonnenaufgang geerntet wird und dass man für ein Gramm des Produkts etwa 150 Blüten benötigt. Sie erfuhren auch viele andere nützliche Dinge – zum Beispiel, dass die Blüten in der Konditorei verwendet werden können. So entstand die Marmelade aus Safrankrokus, bisher allerdings nur als hausgemachtes Produkt, da dafür „ein Berg von Genehmigungen“ erforderlich ist und sie unter anderem in einem lizenzierten Betrieb hergestellt werden müsste. 

Inzwischen ließ sich Gabriela Iliewa als landwirtschaftliche Produzentin registrieren und stieß auf Hindernisse, die sie selbst überwinden musste. 

Gabriela Iliewa baut das „Blumen des Paradieses“ im Wraza-Balkan an

FOTO Bulgarischer Safrananbauerverband

„Es stellte sich heraus, dass Hassan Tachirow den Safran nicht abnimmt und auch nicht ans Telefon geht. Also war ich gezwungen, selbst nach einem Absatzmarkt zu suchen“, erzählte sie der Journalistin Sorniza Garkowa vom BNR-Programm „Christo Botew“. „Auch das war wieder ein Rückschlag, denn in Bulgarien kennen die Menschen das Gewürz kaum. Um ein so hochwertiges Produkt zu verkaufen, muss man erklären, was es ist und wofür es verwendet wird. Außerdem wollen die Leute nicht kaufen, wenn sie den Preis hören, weil er ihnen zu hoch ist. In den Geschäften gibt es tatsächlich billigen Safran, aber er ist von minderer Qualität. Die Menschen verstehen nicht, dass wir alles selbst machen und es keine einzige Maschine gibt, die uns dabei hilft.“

Gabriela Iliewa baut das „Blumen des Paradieses“ im Wraza-Balkan an

FOTO Bulgarischer Safrananbauerverband

Gabriela Iliewa begann, durch die Geschäfte in Wraza zu gehen und ihren Safran anzubieten. Von drei spezialisierten Bioläden erklärte sich lediglich einer bereit, das Produkt aufzunehmen – allerdings nur für kurze Zeit, da er bald eine günstigere Alternative fand. Später vereinbarte sie mit einem anderen Geschäft, den Safran auf Kommissionsbasis anzubieten. Auch unter Freunden und Bekannten verkaufte sie ihn. Ihre Hoffnung auf einen größeren Absatzmarkt setzt sie auf den Verband der Safranproduzenten, der es schaffen soll, den in Bulgarien erzeugten Safran ins Ausland zu exportieren. 

Im vergangenen Herbst wurde Gabriela Iliewa von einem regelrechten Unglück getroffen, das ihre Ernte vernichtete. Unterhalb ihres Hauses im Wraza-Balkan – „buchstäblich am Fuß des Kiefernwaldes“ – platzte eine Wasserleitung. Die daraufhin entsandten Arbeiter gruben das Grundstück auf und ließen einen ganzen Monat lang Wasser laufen. Das gesamte Gelände wurde überschwemmt und die Knollen verschwanden. Trotzdem gab Gabriela nicht auf. Sie plant sogar, ihre Tätigkeit um den Anbau von Pilzen zu erweitern. Doch wie sieht die gesetzliche Regelung für Safranproduzenten in Bulgarien aus? 

Gabriela Iliewa baut das „Blumen des Paradieses“ im Wraza-Balkan an

FOTO Bulgarischer Safrananbauerverband

„Noch gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen, die Safran als eigene Kategorie klassifizieren“, antwortet Gabriela Iliewa. „Ich bin als landwirtschaftliche Produzentin einer ätherischen Ölpflanze registriert, aber Safran ist zugleich Gewürz, Heilpflanze und vieles andere. Unser Verband arbeitet derzeit intensiv daran, dass der Staat uns mit anderen Augen betrachtet und Safran als eigenständige Kategorie anerkannt wird, denn er ist weltweit das teuerste und wertvollste Gewürz. Wir kämpfen also für etwas, bei dem andere Länder in Bezug auf Gesetzgebung und Unterstützung schon viel weiter sind als wir. Uns unterstützt dagegen niemand. Untersuchungen zeigen jedoch, dass weltweit ein Mangel an Safran besteht.“

Gabriela Iliewa baut das „Blumen des Paradieses“ im Wraza-Balkan an

FOTO Bulgarischer Safrananbauerverband

Das „Blumen des Paradieses“, wie Safran genannt wird, wird Gabriela Iliewa früher oder später die verdienten Tore öffnen. Sie experimentiert nicht nur mit einer schönen Pflanze, sondern auch mit der Widerstandskraft ihres Geistes und ihrem Glauben an den Erfolg. Den Anfang machte einst ein Mädchen, das stundenlang vor der Tastatur des Klaviers saß, um eine schöne musikalische Phrase zu formen oder eine virtuose Passage bis zur Perfektion zu beherrschen. 


Text: Diana Zankowa (Es wurde ein Interview mit Sorniza Garkowa aus dem Programm „Christo Botew“ des Bulgarischen Nationalen Rundfunks verwendet) 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov