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Zwetana Tontschewa
Donnerstag 8 Oktober 2026 15:05
Donnerstag, 8 Oktober 2026, 15:05
FOTO Ani Petrowa
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Vom Dorfplatz bis zur großen Konzertbühne begleitet der bulgarische Dudelsack seit Jahrhunderten Lieder, Feste und Bräuche. Heute ist er nicht nur eines der bekanntesten bulgarischen Volksmusikinstrumente, sondern auch eine lebendige Tradition, die von der UNESCO anerkannt ist.
Kraftvoll, voll, reich und bewegend – die Stimme des Dudelsacks ist Teil des akustischen Gedächtnisses Bulgariens. Für uns Bulgaren ist er ein Symbol für Heimat und Herkunft. Sein Klang ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil unseres festlichen und rituellen Lebens. Heute ist der Dudelsack nicht nur Teil unseres folkloristischen Erbes, sondern auch eines der markantesten Wahrzeichen der bulgarischen Kultur.
FOTO Boschidar Tscholakow
Die Herstellung eines Dudelsacks und die Beherrschung des Instruments sind eine Kunst, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wir betrachten ihn als ein traditionelles bulgarisches Instrument, doch er ist keineswegs ein bulgarisches Phänomen. Die uns bekannte Form des Dudelsacks war in Europa bereits seit dem Mittelalter weit verbreitet. Fast jede europäische Nation entwickelte eine eigene Variante des Instruments, und ähnliche Instrumente finden sich auch in anderen Teilen der Welt. Forschern zufolge gehörte der Dudelsack zur musikalischen Kultur der antiken Thraker. Selbst der „Vater der Geschichtsschreibung“, Herodot, schrieb, dass dieses Volk den Dudelsack „nur zum Lobe“ eingesetzt habe.
FOTO Radostina Tschernokowa
Der bulgarische Dudelsack ist ein Sackpfeifeninstrument und besteht aus dem Balg, dem Anblasrohr, der Spielpfeife, der Bordunpfeife, den Pfeifenblättern und den Pfeifenfassungen. Der Balg wird traditionell aus behandelter Ziegen- oder Lammhaut gefertigt und dient als Luftreservoir. Über das Anblasrohr führt der Dudelsackspieler Luft in den Balg und reguliert mit seinem Ellenbogen den Luftdruck. Die Spielpfeife ist der melodische Teil des Instruments. Auf ihr befinden sich Grifflöcher, mit denen unterschiedliche Tonhöhen erzeugt werden. Die Bordunpfeife erzeugt den kontinuierlichen tiefen Grundton, über dem sich die Melodie entfaltet und der dem Dudelsack seinen charakteristischen Klang verleiht. Eine besondere Bedeutung haben die Pfeifenblätter, die den Luftstrom in Klang umwandeln.
Die Herstellung des Instruments erfordert großes handwerkliches Können. Die Holzteile werden traditionell aus Hartriegel, Pflaumenholz und anderen Harthölzern gefertigt, während das Stimmen Präzision und Erfahrung erfordert.
FOTO Ani Petrowa
In der bulgarischen Musiktradition sind die Dschura- (kleine) und die Kaba- (große) Dudelsäcke bekannt; in den südwestlichen Regionen findet sich auch der mazedonische Dudelsack. Der Dschura-Dudelsack hat einen höheren, klaren und kräftigen Klang. Er ist in ganz Bulgarien verbreitet und wird sowohl als Soloinstrument als auch in Ensembles sowie zur Begleitung von Liedern und Tänzen eingesetzt.
Der Kaba-Dudelsack ist die musikalische Stimme der Rhodopen. Größer und mit einem tieferen, weichen und vollen Klang ist er eng mit der örtlichen Folkloretradition verbunden. Zu seinen Klängen werden die Rhodopen-Reigentänze aufgeführt, und die langsamen Melodien auf dem Kaba-Dudelsack gehören zu den charakteristischen Werken der bulgarischen Folklore.
Ein Ensemble aus mehreren Kaba-Dudelsäcken erzeugt ein beeindruckendes Klangbild. Seit einem halben Jahrhundert gilt das berühmte Orchester „100 Kaba-Dudelsäcke“, das 1961 vom Folkloristen Apostol Kissjow gegründet wurde, als Symbol für das bulgarische Ensemblespiel auf diesem Instrument.
Am 16. Mai 2012 spielten im Saal 1 des Nationalen Kulturpalastes in Sofia 333 Rhodopen-Kaba-Dudelsäcke – vier Generationen von Dudelsackspielern aus ganz Bulgarien – neun Minuten und 13 Sekunden lang gleichzeitig Ausschnitte traditioneller Rhodopen-Melodien. Damit stellten sie einen offiziellen Massenrekord für das Guinness-Buch der Rekorde auf und übertrafen die vorherige Bestmarke von 240 schottischen Dudelsäcken, die gleichzeitig gespielt hatten.
Der Dudelsack ist nicht nur ein Relikt der Vergangenheit. Das Wissen über seine Herstellung und die Fertigkeiten des Dudelsackspielens werden von Generation zu Generation weitergegeben – vom Meister an den Schüler, innerhalb der Familie, in den Kultur- und Bildungsvereinen, Musikschulen und Folkloreensembles. Diese lebendige Verbindung zwischen den Generationen ist die Grundlage für die internationale Anerkennung der bulgarischen Dudelsacktradition. Im Jahr 2025 nahm die UNESCO „Dudelsäcke und Dudelsackspiel in Bulgarien – Weitergabe von Wissen und Fertigkeiten“ in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Die Entscheidung unterstreicht die Bedeutung der Praktiken, durch die die Tradition weiterentwickelt und an die nächsten Generationen weitergegeben wird.
FOTO Facebook /gaidari.varna
Auch heute erklingt der Dudelsack bei Folklorefestivals und Volksfesten, in Kultur- und Bildungsvereinen und Musikschulen, auf Konzertbühnen und in modernen Musikprojekten. Für die Bulgaren ist er kein Museumsrelikt und auch nicht einfach ein altes Instrument, das als Erinnerung bewahrt wird, sondern lebendiges Wissen, das weitergegeben, weiterentwickelt und zum Klingen gebracht wird. Der Dudelsack besteht aus Holz, Leder und Luft. Was ihn jedoch zum Symbol macht, ist das menschliche Gedächtnis. Solange es Kinder gibt, die das Dudelsackspiel erlernen, Meister, die Instrumente herstellen, und ein Publikum, das diesen Klang erkennt und liebt, wird die bulgarische Dudelsacktradition Teil des lebendigen kulturellen Bildes Bulgariens bleiben.
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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov